Die internationalen Finanzmärkte befinden sich Anfang April 2025 in Aufruhr, nachdem US-Präsident Donald Trump umfassende Zölle gegen globale Handelspartner verhängt hat. Der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China hat weltweit zu einem dramatischen Börseneinbruch geführt. Der britische FTSE 100 verzeichnete am vergangenen Freitag seinen größten Tagesverlust seit der COVID-19-Pandemie 2020 mit einem Minus von fast 5 Prozent. Auch der kanadische Arbeitsmarkt zeigt erste Risse: Im März wurden erstmals seit 2022 Arbeitsplätze abgebaut, während die Arbeitslosenquote auf 6,7 Prozent stieg.
Zollspirale treibt Weltwirtschaft in die Krise
Die Handelsspannungen haben eine gefährliche Dynamik entwickelt. Trump hat Importzölle von durchschnittlich 27 Prozent auf ausländische Waren eingeführt, darunter 25 Prozent auf kanadischen Stahl und Aluminium seit März. China reagierte mit Vergeltungszöllen von 34 Prozent auf alle US-Waren, die ab 10. April in Kraft treten. Diese gegenseitigen Strafmaßnahmen haben Befürchtungen über eine globale Rezession verstärkt.
„Die Zollerhöhungen werden deutlich größer sein als erwartet“, warnte Fed-Chef Jerome Powell. „Das Gleiche wird wahrscheinlich für die wirtschaftlichen Auswirkungen gelten, zu denen höhere Inflation und langsameres Wachstum gehören werden.“ Diese Aussagen verdeutlichen das Dilemma der Zentralbanken weltweit, die nun zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsförderung abwägen müssen.
Deutsche Unternehmen stehen besonders unter Druck. Der US-Markt ist mit Exporten im Wert von 253 Milliarden Euro Deutschlands wichtigster Handelspartner. Allein der Maschinenbausektor exportierte 2024 Waren im Wert von 27,4 Milliarden Euro in die USA. Nach einer Umfrage des Industrieverbands VDMA erwarten fast 60 Prozent der deutschen Maschinenbauer starke Beeinträchtigungen durch die neuen Zölle.
Arbeitsmarkt und Währungen im Zollfieber
Die Auswirkungen der Handelskonflikte zeigen sich bereits deutlich auf dem kanadischen Arbeitsmarkt. „Die Räder beginnen, sich vom kanadischen Arbeitsmarkt zu lösen“, kommentierte Andrew Grantham, leitender Ökonom bei CIBC Capital Markets, den überraschenden Verlust von 32.600 Arbeitsplätzen im März. Analysten hatten einen Zuwachs von 10.000 Stellen erwartet. Die Unsicherheit über Zölle und deren Auswirkungen hat Unternehmen gezwungen, Einstellungen zu pausieren und teilweise Mitarbeiter zu entlassen.
An den Devisenmärkten gewann der US-Dollar nach Powells vorsichtigen Äußerungen zur künftigen Zinspolitik an Stärke. Der Australische Dollar, der als liquider Stellvertreter für den Yuan gilt, fiel auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gegenüber dem US-Dollar, nachdem China zusätzliche Zölle auf US-Waren angekündigt hatte.
„Während Investoren auf Klarheit über mögliche Vergeltungsmaßnahmen und die Reaktion der Fed warten, falls sich Inflations- und Wachstumsbedenken verstärken, spiegelt die Marktpreisbildung die Erwartung von vier Zinssenkungen in diesem Jahr wider, was im Kontrast zur abwartenden Haltung der Fed steht“, erklärte Uto Shinohara, leitender Investmentstratege bei Mesirow Currency Management.
Unternehmen im Zwiespalt: Strategien gegen den Zollschock
Der Fall des deutschen Maschinenbauunternehmens WIWA veranschaulicht das Dilemma vieler internationaler Unternehmen. Nach 25 Jahren Produktionstätigkeit in den USA steht das 75-jährige Familienunternehmen vor einer schwierigen Entscheidung: entweder die US-Produktion ausbauen, um Zölle zu umgehen, oder Preise erhöhen und Investitionen zurückfahren.
„Wir produzieren in Amerika für den amerikanischen Markt mit Kernkomponenten, die wir aus Europa dorthin exportieren. Natürlich sind diese auch von Zöllen betroffen“, erläutert WIWA-Manager Malte Weber die Problematik. Das Unternehmen, das seine Produkte als „fast 100% Made in Germany“ vermarktet, muss nun entscheiden, ob es seine transatlantischen Geschäftsbeziehungen grundlegend umstrukturiert.
Die Deutsche Bank warnte bereits vor dem Risiko einer Vertrauenskrise im US-Dollar und erklärte, dass größere Verschiebungen bei der Kapitalallokation die Währungsfundamentaldaten überholen und ungeordnete Währungsbewegungen auslösen könnten.
Geldpolitik im Spannungsfeld zwischen Inflation und Rezession
Die Zentralbanken stehen vor einem schwierigen Balanceakt. Die US-Notenbank Fed sieht sich mit dem Risiko konfrontiert, dass Trumps Zollpolitik sowohl die Inflation anheizt als auch das Wirtschaftswachstum bremst. „Wir stehen vor einem höchst ungewissen Ausblick mit erhöhten Risiken sowohl für höhere Arbeitslosigkeit als auch für höhere Inflation“, betonte Powell.
Die Finanzmärkte rechnen mittlerweile mit vier Zinssenkungen der Fed im laufenden Jahr – deutlich mehr als die drei, die vor Trumps Zollankündigung erwartet wurden. Für die Bank of Canada ist nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung am 16. April auf 62 Prozent gestiegen, verglichen mit 25 Prozent am Vortag.
Die Europäische Union bereitet sich ihrerseits auf Vergeltungsmaßnahmen vor. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die US-Zölle als „schweren Schlag für die Weltwirtschaft“ und kündigte an, dass die EU bereits ein erstes Paket mit Zöllen auf US-Waren im Wert von bis zu 26 Milliarden Euro für Mitte April als Reaktion auf die US-Stahl- und Aluminiumzölle finalisiere.
Perspektiven und Ausblick
Trotz der düsteren Marktentwicklung sehen einige Experten auch Chancen in der Krise. Fed-Gouverneur Christopher Waller betonte positive Aspekte von Stablecoins für das Zahlungssystem: „Ich bin ein großer Befürworter von Stablecoins. Ich sage seit über drei Jahren, wie sie Wettbewerb, Effizienz und Geschwindigkeit in das Zahlungssystem bringen könnten.“
Gleichzeitig arbeiten US-Senatoren an einer Haushaltsmaßnahme, um Trumps Steuersenkungen von 2017 zu verlängern und möglicherweise weitere Steuern zu senken. Das Repräsentantenhaus schätzt die Kosten für diese Maßnahmen auf 4,5 Billionen Dollar über ein Jahrzehnt, während der Senatsausschuss von nur 1,5 Billionen Dollar ausgeht.
Die Zukunftsaussichten bleiben ungewiss. Während Unternehmen und Investoren nach Klarheit suchen, wartet die Weltwirtschaft gespannt auf weitere Entwicklungen im eskalierenden Handelskonflikt. Ein Hoffnungsschimmer bleibt die Diplomatie: „Ich hoffe, dass in Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern Lösungen gefunden werden können, die Unternehmen ein gewisses Maß an Planungssicherheit geben können“, so WIWA-Manager Weber.