Der iShares Global Clean Energy ETF meldet sich zurück. Nach einem monatelangen Abwärtstrend legte der Fonds am Dienstag um gut zwei Prozent zu. Dahinter steckt ein paradoxer Preistreiber: Die Renaissance der fossilen Brennstoffe.

Fossile Preissprünge stützen saubere Energie

Teures Gas macht Solarstrom attraktiv. Am Dienstag erreichten die europäischen Gaspreise ein Vierjahreshoch. Parallel dazu stieg der Preis für Brent-Rohöl in Richtung der Marke von 90 US-Dollar. Die Angst vor Lieferengpässen im Winter treibt die Kosten.

Investoren bewerten die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien nun neu. Mit einem Relative Strength Index (RSI) von 38,8 verlässt der ETF langsam die überverkaufte Zone. Die deutliche Korrektur der vergangenen Wochen scheint vorerst gestoppt.

Neue Impulse aus Europa

In Berlin sorgt der Entwurf für den Klima- und Transformationsfonds für Bewegung. Die Bundesregierung streicht zwar spezifische Fördergelder für die Offshore-Elektrolyse. Dennoch blickt die Branche optimistisch auf die bessere Nutzung bestehender Anlagen.

Ein Bericht des Thinktanks Ember untermauert dieses Potenzial. Bestehende Wasserkraftwerke in sieben EU-Staaten könnten durch Wind- und Solaranlagen ergänzt werden. Dies würde bis zu 25 Gigawatt neue Kapazität schaffen. Ein teurer Netzausbau entfällt dabei fast vollständig.

US-Markt vor neuem Regime

In den USA hat sich die Dynamik verändert. Um volle Steuergutschriften zu erhalten, mussten viele Projekte bis Anfang Juli starten. Dieser „Construction Cliff“ führte zu einer vorgezogenen Nachfrage im ersten Halbjahr. Jetzt wandelt sich der Sektor von einer reinen Förderstory zum Infrastruktur-Investment.

Große Energiekonzerne sortieren ihr Portfolio derweil neu. Shell trennte sich zuletzt von einigen Grünstrom-Beteiligungen. OMV sicherte sich 450 Millionen Euro für Projekte im Bereich grüner Wasserstoff. Diese Konsolidierung dürfte die Bewertung der Unternehmen im ETF nachhaltig beeinflussen.

Der Sektor bleibt mit einer Volatilität von rund 37 Prozent schwankungsanfällig. Dennoch stützen institutionelle Investoren die Kurse bei Rücksetzern. Die Kombination aus Energiekrise und industriellem Hunger nach Ökostrom bietet dem ETF eine solide Basis für den Sommer.