Die Rohstoffpreise für Seltene Erden klettern auf Jahreshoch. Der VanEck Seltene Erden ETF dagegen fällt. Diese Kluft zwischen physischem Markt und Fondskurs beschäftigt derzeit Anleger im Sektor.

Der ETF notiert bei 13,72 Euro, ein Plus von 0,10 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 7,02 Prozent, auf Monatssicht sind es 7,46 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 18,76 Euro, erreicht am 11. Mai 2026, trennen den Fonds mittlerweile 26,84 Prozent.

Chinas Preisindex markiert neues Hoch

Der von der China Rare Earth Industry Association veröffentlichte Preisindex kletterte am 8. Juli auf 271,9 Punkte. Die Erholung läuft seit Ende 2025. Schwermetalle wie Dysprosium und Terbium halten sich auf historisch hohem Niveau — ein Zeichen für strukturelle Knappheit, nicht für kurzfristige Ausschläge.

Besonders stark entwickelten sich Gadolinium, Holmium, Neodym-Oxid sowie Pr-Nd-Oxid und die zugehörigen Legierungen. Tagesdaten der Shanghai Metals Market bestätigen den Trend. Am 8. Juli stieg der Preis für Pr-Nd-Oxid um 7.500 Yuan je Tonne, Terbium-Oxid legte um 125.000 Yuan je Tonne zu.

Auch in den Exportmärkten ziehen die Preise an. Der FOB-Preis für Terbium-Oxid stieg diese Woche um 40 Dollar je Kilogramm, Dysprosium-Oxid um 4 Dollar, Neodym-Oxid um 3 Dollar. Westliche Hersteller kämpfen weiterhin mit der Beschaffung: Nur rund 10 Prozent der weltweiten Separationskapazität für Seltene Erden liegen außerhalb Chinas. Rüstungskonzerne und Elektroautohersteller berichten von Engpässen bei Dysprosium, Terbium, Holmium und zeitweise sogar Yttrium — die Versorgungssicherheit bereitet mehr Sorgen als der reine Preis.

Warum der Fondskurs nicht mitzieht

Trotz der bullischen Rohstofflage tut sich der ETF schwer. Der 14-Tage-RSI liegt bei 30,2 — nah an der Schwelle zur Überverkauft-Zone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 42,92 Prozent zeigt, wie nervös der Handel geworden ist.

Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 6,97 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Zuwachs von 98,75 Prozent. Das zeigt, wie weit sich Seltene-Erden-Aktien seit dem Tief im Vorjahr erholt haben. Die aktuelle technische Schwäche spiegelt eher Vorsicht gegenüber einzelnen Portfoliowerten wider — nicht Zweifel an den Rohstoff-Fundamentaldaten.

Die Portfoliostruktur erklärt die Lücke

Ein Blick auf die größten Positionen liefert die Erklärung. Zum 3. Juli führte Albemarle mit 7,12 Prozent, gefolgt von China Northern Rare Earth Group mit 6,91 Prozent, PLS Group mit 6,86 Prozent, Xiamen Tungsten mit 6,83 Prozent, Lynas Rare Earths mit 6,54 Prozent und MP Materials mit 5,78 Prozent.

Albemarle und PLS Group zählen zu den größten Gewichtungen im Fonds, sind aber Lithium-Produzenten und keine reinen Seltene-Erden-Miner. Die Kursentwicklung des ETF hängt damit stark von der Stimmung im Batteriemetall-Segment ab — nicht nur von der Knappheit bei Schwermetallen.

Konkurrenz drängt in den Markt

Die Vormachtstellung des VanEck-Fonds im Segment bekommt Konkurrenz. Der Sprott Rare Earths Ex-China ETF startete Mitte April 2026 mit einer Kostenquote von 0,65 Prozent und verwaltet aktuell rund 54,5 Millionen Dollar. Die Liquidität ist dünner, dafür bietet der Fonds ein China-freies Mandat.

Die Top-Positionen dort: MP Materials mit etwa 21 Prozent, Lynas mit rund 17 Prozent und USA Rare Earth mit knapp 9 Prozent. Wer die gleichen Rohstoff-Trends nutzen will, ohne in Peking-nahe Aktien zu investieren, findet hier eine Alternative.

Der nächste Auslöser kommt aus Peking

Marktbeobachter richten den Blick auf ein regulatorisches Ereignis: die Ankündigung der Abbauquoten für das zweite Halbjahr durch Chinas Industrieministerium MIIT. Diese Quote stand zuletzt noch aus. Eine Verschärfung würde die Preisrally weiter befeuern, eine Ausweitung könnte sie dagegen bremsen.

Sollten die Kontrollen nach Ablauf der aktuellen Regulierungspause verschärft werden, rechnen Branchenanalysten mit Aufschlägen von über 50 Prozent bei Schwermetallen. Der Fondskurs des VanEck Seltene Erden ETF spiegelt derzeit vor allem unternehmensspezifische Risiken wider — während die zugrundeliegenden Rohstoffe einige ihrer stärksten Gewinne des Jahres verbuchen.