Vanguard bringt seinen eigenen Kassenschlager in Bedrängnis. Der Vermögensverwalter hat am Donnerstag drei neue globale Aktien-ETFs aufgelegt. Einer davon ist deutlich billiger als der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Accumulation — und deckt sogar mehr Markt ab.

Der neue Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF bildet rund 10.000 Aktien ab. Er erfasst Großkonzerne genauso wie kleine und mittlere Unternehmen. Die Gesamtkostenquote liegt bei nur 0,07 Prozent.

Zum Vergleich: Der etablierte FTSE All-World kostet aktuell 0,14 Prozent. Erst Ende Juli hatte Vanguard die Gebühr dort von 0,19 Prozent gesenkt. Jetzt unterbietet der Konzern sich selbst nochmal um die Hälfte.

Zwei Fonds, zwei Zielgruppen

Der Unterschied liegt nicht nur beim Preis. Der All-World-Fonds konzentriert sich auf etwa 4.000 große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Der neue All-Cap-ETF geht weiter: Er deckt kleine Unternehmen mit ab und erreicht damit rund 98 bis 99 Prozent der weltweit investierbaren Marktkapitalisierung.

Für den etablierten Flaggschiff-Fonds bedeutet das eine neue Rolle. Er wird zum reinen „Large-and-Mid-Cap“-Tracker – flankiert von einer günstigeren, breiter aufgestellten Alternative aus dem eigenen Haus.

Vanguard legte zeitgleich zwei weitere Produkte auf. Der Vanguard FTSE All-World ex-U.S. UCITS ETF kostet 0,12 Prozent und richtet sich an Anleger, die ihr US-Engagement separat steuern wollen. Der Vanguard FTSE Global Small-Cap UCITS ETF verlangt 0,22 Prozent und schließt gezielt die Lücke bei Kleinunternehmen, die der All-World-Fonds nicht abdeckt.

Der Flaggschiff-Fonds bleibt stark – trotz Gegenwind

Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Accumulation schloss zuletzt bei 165,28 Euro, ein Tagesminus von 0,5 Prozent. Das Jahreshoch von 170,24 Euro, erreicht am 13. August, liegt nur 2,9 Prozent entfernt. Auf Jahressicht steht der Fonds trotz der jüngsten Schwäche bei einem Plus von 14 Prozent.

Mit einem verwalteten Vermögen von rund 76,8 Milliarden Dollar bleibt er einer der größten und liquidesten globalen Aktien-ETFs Europas. Diese Größe dürfte kurzfristig kaum leiden – Umschichtungen bei ETF-Bestandshaltern erfolgen meist langsam.

Preiskampf unter Indexanbietern verschärft sich

Vanguard-Europachef Jon Cleborne begründete die Neuauflagen mit der Nachfrage nach einfachen, günstigen Bausteinen für flexible regionale und marktkapitalisierungsbezogene Allokationen. Die Ansage passt zum Timing: Die Erweiterung fällt in eine Phase mit grundsätzlich freundlichem Aktienmarktumfeld, wenngleich der August erhöhte Schwankungen brachte.

Mit dem 0,07-Prozent-Fonds setzt Vanguard ein klares Preissignal im europäischen ETF-Markt. Kostenbewusste Anleger, die eine vollständige Marktabdeckung suchen, bekommen ab sofort eine günstigere Alternative zum bisherigen Standardprodukt – aus demselben Haus.