Vanguards größter globaler Aktien-ETF senkt seine Kosten. Trotzdem bleibt er teurer als die neue Konkurrenz. Ein Widerspruch, der zeigt, wie hart der Preiskampf unter Europas ETF-Anbietern inzwischen geführt wird.
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF notiert bei 164,72 Euro und gibt am Mittwoch um 0,41 Prozent nach. Über die vergangenen 30 Tage hat der Fonds knapp ein Prozent verloren. Der Rücksetzer kommt kurz vor einer wichtigen Änderung: Ab dem 28. Juli 2026 senkt Vanguard die laufenden Kosten des Fonds von 0,19 auf 0,14 Prozent pro Jahr.
Billiger, aber nicht billig genug
Die Kostensenkung klingt nach einer guten Nachricht für Anleger. Das Problem: Der Fonds bleibt trotzdem das teurere Produkt im Vergleich.
DWS hat die Gebühr für den eigenen Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF bereits ab dem 1. Juni 2026 auf 0,07 Prozent gesenkt. Der Fonds ist erst im April gestartet und liegt damit an der Kostenspitze der Kategorie. BlackRock und State Street haben in den vergangenen Monaten ebenfalls Konkurrenzprodukte mit einer Gebühr von jeweils 0,12 Prozent aufgelegt, die denselben Index abbilden.
Selbst nach der Senkung zahlen Anleger bei Vanguard also doppelt so viel wie bei der günstigsten Alternative. Der Abstand zu DWS bleibt trotz der Anpassung erheblich.
Geld fließt trotzdem weiter zu Vanguard
Der Kostennachteil hat die Nachfrage bislang nicht gebremst. Der 77 Milliarden Dollar schwere Fonds verzeichnete seit Jahresbeginn Nettozuflüsse von 18,2 Milliarden Dollar – nach Daten von TrackInsight mehr als jeder andere ETF weltweit im gleichen Zeitraum.
Der nächstplatzierte Rivale, der State Street SPDR MSCI All-Country World UCITS ETF, kommt trotz einer niedrigeren Gebühr von 0,12 Prozent nur auf etwa die Hälfte des Zuwachses. Markenbekanntheit, Liquidität und ein breites Vertriebsnetz wiegen für viele europäische Anleger offenbar schwerer als der reine Kostenvorteil neuer Konkurrenten.
US-Technologiewerte prägen die Kursbewegung
Ein Blick auf die Zusammensetzung erklärt, warum der Fonds zuletzt schwächelt. Die zehn größten Positionen machen rund 25,6 Prozent des Nettovermögens aus. Angeführt wird die Liste von Nvidia mit 4,7 Prozent, gefolgt von Apple mit 4,3 Prozent und Alphabet mit 3,8 Prozent.
Diese Konzentration auf US-Technologiekonzerne treibt einen Großteil der täglichen Kursbewegung. Aktuell notiert der ETF rund 1,4 Prozent unter seinem Rekordhoch von 167,10 Euro, erreicht am 22. Juni.
Der Preiskampf weitet sich aus
Die Konkurrenz rüstet weiter auf. DWS hat sein Angebot um einen FTSE All-World ex US ETF und eine breitere MSCI-World-IMI-Variante erweitert, mit laufenden Kosten von 0,15 Prozent für beide Produkte vor der jüngsten Preissenkung. BlackRock bereitet unterdessen die Zulassung eines eigenen iShares FTSE All-World UCITS ETF bei der irischen Aufsicht vor.
Charttechnisch bleibt das Bild für Vanguards Flaggschiff-ETF trotz der Gebührendiskussion intakt. Der Fonds notiert nahe seinem 50-Tage-Durchschnitt von 163,47 Euro und deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 151,28 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 13,32 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 24,88 Prozent – eine Bilanz, die die Anlegertreue trotz günstigerer Alternativen bislang stützt.
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