Vanguard hat die Gebühren für seinen FTSE-All-World-ETF gesenkt. Trotzdem bleibt der Fonds teurer als mehrere kleinere Konkurrenten, die denselben Index abbilden. Das Papier notiert am Freitag bei 163,54 Euro, ein Plus von 0,21 Prozent zum Vortag.

Der Preiskampf um den Weltindex

Seit dem 28. Juli 2026 verlangt Vanguard für den FTSE All-World UCITS ETF nur noch 0,14 Prozent laufende Kosten statt zuvor 0,19 Prozent. Nach eigenen Angaben spart der Anbieter Investoren dadurch jährlich rund 37 Millionen Dollar.

Die Konkurrenz zieht trotzdem am selben Strang. DWS senkte die Gebühr seines Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF bereits zum 1. Juni 2026 auf 0,07 Prozent. BlackRock bietet einen vergleichbaren Fonds mit 0,12 Prozent an, State Street unterbietet Vanguard mit seinem SPDR MSCI All-Country World ETF ebenfalls bei 0,12 Prozent.

Geld fließt trotzdem zu Vanguard

Die Gebührenlücke schreckt Anleger nicht ab. Vanguards ETF hat in diesem Jahr bereits über 16 Milliarden Dollar an frischem Kapital eingesammelt. Damit ist er nach eigenen Angaben Europas größter FTSE-All-World-ETF, mit einem verwalteten Vermögen von 76,8 Milliarden Dollar.

Der Vorsprung zu den Verfolgern ist deutlich. Vanguards Nettozuflüsse seit Jahresbeginn liegen mehr als doppelt so hoch wie beim nächstplatzierten Rivalen, dem State-Street-Fonds mit 18,6 Milliarden Dollar Volumen — obwohl dieser mit 0,12 Prozent günstiger ist.

Analysten, die die Fondsklasse vergleichen, weisen auf einen Punkt hin, den die reine Gebühr nicht zeigt: Wertpapierleihe. Vanguards ETF erzielt daraus zusätzliche Einnahmen, die einen Teil der 0,14 Prozent Kosten wieder ausgleichen. Wie stark dieser Effekt über mehrere Marktzyklen wirkt, lässt sich laut den Analysten aktuell nur bei zwei Fonds zuverlässig einschätzen: bei Vanguards thesaurierendem Papier und beim iShares-Pendant IWDA, da nur diese beiden eine ausreichend lange Handelshistorie vorweisen.

Für Anleger, denen Liquidität und Bewährung wichtiger sind als die niedrigste Gebühr, bleibt der Fonds laut dieser Einschätzung die naheliegende Wahl. Er bietet die größte Liquidität, die breiteste Verfügbarkeit bei Brokern und die längste Historie unter den thesaurierenden All-World-Trackern. Seit dem 28. Juli 2026 hat er zudem die niedrigere Gebühr im Vergleich zur ausschüttenden Variante desselben Anbieters.

Charttechnik bleibt im neutralen Bereich

Der Kurs bewegt sich derzeit rund zwei Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 167,10 Euro, das der ETF am 22. Juni 2026 erreichte. Der 14-Tage-RSI von 48,7 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand — der Fonds konsolidiert nach dem jüngsten Höhenflug.

Ausblick: Gebührendruck bleibt Dauerthema

DWS hat mit seinem aggressiven Preisschritt gezeigt, wie hart der Wettbewerb um All-World-Tracker inzwischen geführt wird — nur wenige Monate nach dem eigenen Fondsstart. Weitere Preissenkungen unter den großen Anbietern sind deshalb nicht ausgeschlossen. Vanguards Skalenvorteil bei den Mittelzuflüssen dürfte davon aber vorerst unberührt bleiben.