Der Vanguard FTSE All-World ETF steht vor einer beispiellosen Anpassung. Der Indexanbieter FTSE Russell wirft eine indonesische Aktie aus dem Portfolio — und bewertet sie dabei mit exakt null. Dieser radikale Schritt offenbart die versteckten Risiken in den Schwellenländern.
Nullrunde in Jakarta
Betroffen ist in erster Linie der Konzern PT Dian Swastatika Sentosa (DSSA). Die indonesische Aufsichtsbehörde hatte zuvor vor einer extremen Aktionärskonzentration gewarnt. FTSE Russell zieht nun die Reißleine. Ab dem 22. Juni 2026 fliegt das Papier aus dem Index.
Marktbeobachter rechnen im Vorfeld mit massiven Liquiditätsengpässen. Indexfonds könnten die Aktie kaum noch ohne extreme Kursverluste abstoßen. Der Indexanbieter setzt den Wert der Papiere deshalb kurzerhand auf null, um die Nachbildbarkeit des Index zu garantieren. Parallel dazu müssen drei weitere indonesische Unternehmen den globalen Aktienindex verlassen.
Die Maßnahme markiert den vorläufigen Höhepunkt einer breiteren Marktkrise. Ausländische Investoren zogen in diesem Jahr bereits massiv Kapital aus Indonesien ab. Der Leitindex IHSG stürzte um fast 30 Prozent ab.
FTSE Russell friert Neuaufnahmen aus dem südostasiatischen Land bis mindestens September 2026 ein. Die Börsenaufsicht in Jakarta versucht derweil, die Transparenz zu erhöhen. Neue Meldepflichten für Großaktionäre sollen das Vertrauen der internationalen Investoren zurückgewinnen.
Aufsteiger im September
Im Herbst verschiebt sich das Gewicht innerhalb der Schwellenländer weiter. Vietnam steigt am 21. September 2026 in die Kategorie der sekundären Emerging Markets auf. Griechische Aktien rücken am selben Tag in den Kreis der Industrienationen vor.
Der Einfluss auf den Gesamtindex bleibt überschaubar. Vietnam wird voraussichtlich nur einen winzigen Bruchteil des globalen Portfolios ausmachen. Auch das Gewicht der griechischen Banken und Versorger im entwickelten Marktsegment liegt bei unter 0,1 Prozent.
US-Tech dominiert das Portfolio
Für den Vanguard FTSE All-World ETF sind diese Turbulenzen leicht zu verkraften. Mit einem verwalteten Vermögen von fast 39 Milliarden Euro nutzt der Fonds sogenanntes Sampling. Er kauft nicht jede einzelne Aktie physisch, sondern bildet den Index durch eine repräsentative Auswahl ab. Transaktionskosten bei kleinen Indexänderungen fallen so kaum ins Gewicht.
Die wahre Musik spielt ohnehin am anderen Ende der Welt. US-Aktien machen fast 62 Prozent des Portfolios aus. Allein der amerikanische Technologiesektor wiegt schwerer als die meisten Ländergruppen zusammen. Einzelne US-Tech-Giganten beeinflussen den Index stärker als ganze Kontinente.
Diese US-Dominanz trieb die Rendite im vergangenen Jahr auf knapp 25 Prozent. Solange die großen Technologiekonzerne ihre Gewinne steigern, fallen die Randnotizen aus Südostasien für Anleger kaum ins Gewicht. Mit laufenden Kosten von 0,19 Prozent pro Jahr fängt die schiere Größe des Fonds derartige Marktanomalien geräuschlos auf.
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