Vanguard senkt die Gebühren seines FTSE All-World ETFs zum zweiten Mal in weniger als einem Jahr. Trotzdem wird der Fonds gerade von zwei neuen Konkurrenten unterboten. Für Anleger stellt sich eine einfache Frage: Zählt der Preis mehr als die Marktführerschaft?
Billiger, aber nicht billig genug
Ab dem 28. Juli sinkt die laufende Kostenquote des Vanguard FTSE All-World UCITS ETF auf 0,14 Prozent. Das ist bereits die zweite Senkung binnen zwölf Monaten. Im Oktober lag der Wert noch bei 0,22 Prozent, macht in Summe eine Reduktion von 36,4 Prozent.
Trotz dieser aggressiven Preispolitik bleibt Vanguard das Nachsehen. BlackRock und der DWS-Ableger Xtrackers haben in den vergangenen Monaten je einen ETF auf denselben Index gestartet — beide mit einer Kostenquote von nur 0,12 Prozent. Nominal ist Vanguards Fonds damit weiterhin teurer als die neuesten Angebote am Markt.
Geld fließt trotzdem weiter zu Vanguard
Die Kostenfrage scheint Anleger bislang wenig zu stören. Seit Jahresbeginn 2026 hat der Vanguard-ETF Netto-Zuflüsse von 18,2 Milliarden Dollar eingesammelt — mehr als doppelt so viel wie der nächstplatzierte Konkurrent, der State Street SPDR MSCI All-Country World UCITS ETF mit 18,6 Milliarden Dollar Gesamtvolumen bei einer Kostenquote von 0,12 Prozent.
Das Gesamtbild unterstreicht die Dominanz. Laut Vanguard verwaltet der Fonds mittlerweile 76,8 Milliarden Dollar und ist damit Europas größter FTSE-All-World-ETF. Offenbar zählen für viele Anleger Markenbekanntheit, Liquidität und die lange Tracking-Historie mehr als ein Kostenunterschied von zwei Basispunkten.
Technologie treibt die Rendite
Ein Blick ins Portfolio erklärt einen Teil des Erfolgs. Zum Ende Juni führten US-Technologiewerte die Top-10-Positionen an: Nvidia mit 4,5 Prozent, Apple mit 4,0 Prozent, Alphabet mit 3,6 Prozent, Microsoft mit 2,7 Prozent und Amazon mit 2,2 Prozent. Zusammen machen die zehn größten Positionen rund 24 Prozent des Nettovermögens aus.
Diese Konzentration in wachstumsstarken Tech-Werten hat maßgeblich zur Zwölf-Monats-Rendite von 22,92 Prozent beigetragen. Der Fonds notiert aktuell bei 163,78 Euro, nur 1,99 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 167,10 Euro aus dem Juni. Die Kehrseite: Eine derart hohe Tech-Gewichtung macht den Fonds anfälliger für Stimmungsschwankungen im Sektor als ein breiter diversifiziertes Produkt.
Bei der Tracking-Präzision bleibt Vanguard indes ein Argument, das neuere Konkurrenten mangels Historie noch nicht liefern können. Die annualisierte Tracking-Differenz lag zuletzt bei 0,07 bis 0,08 Prozent über ein, drei und fünf Jahre.
Mit der neuen Kostenquote ab dieser Woche dürfte sich zeigen, ob Vanguard seine Zuflussführerschaft gegen BlackRock und Xtrackers verteidigen kann. Der entscheidende Faktor für die weitere Kursentwicklung bleibt dabei die Stärke der großen Technologiewerte im Portfolio.
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