Markus Kamieth findet drastische Worte. Der BASF-Chef warnt vor einem massiven Ölpreisschock durch den Iran-Krieg. Die Chemiebranche durchlebt laut dem Manager ihre schwerste Zeit seit 25 Jahren. Dennoch laufen die Geschäfte des Konzerns erstaunlich stabil.

Nadelöhr im Nahen Osten

Die größte Sorge gilt der Straße von Hormus. Schließt sich dieser Seeweg, drohen massive Verwerfungen. Kamieth sieht für die zweite Jahreshälfte das Risiko eines neuen Preisschocks. Die Zahlen verdeutlichen die Gefahr. Rund 20 Prozent des weltweiten Rohöls fließen durch diese Meerenge. Bei raffinierten Treibstoffen und Chemieprodukten liegt der Anteil sogar bei bis zu 40 Prozent.

Beim Gas gibt sich das Management entspannter. Steigen die Preise, stellt Großverbraucher China schlicht auf Kohle um. Das entlastet den Weltmarkt. Europa bleibt strukturell trotzdem ein teurer Standort. Dass russisches Gas jemals wieder günstig nach Europa fließt, schließt der CEO kategorisch aus.

Konkurrenz aus Fernost

Die europäische Energiepolitik setzt heimische Produzenten unter Druck. Das spürt BASF im direkten Wettbewerb. Chinesische Konzerne wie Petrochina und Sinopec wachsen rasant. BASF könnte bald den Titel als weltgrößter Chemieproduzent verlieren.

Kamieth sieht das gelassen. Größe allein sei kein Ziel. Der Markt verschiebt sich ohnehin. Knapp drei Viertel des weltweiten Branchenwachstums finden laut dem Vorstand mittlerweile in China statt.

Operatives Geschäft trotzt der Krise

Trotz der düsteren Branchenaussichten hält BASF Kurs. Die Analystenerwartungen für das laufende zweite Quartal stuft der Chef als machbar ein. Allerdings flacht der kurzfristige Nachfrageboom aus dem März bereits wieder ab. Damals trieb die Sorge um Lieferketten die Bestellungen künstlich in die Höhe.

Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete BASF einen Umsatz von 16,0 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA lag bei 2,36 Milliarden Euro. Parallel dazu läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Euro.

An der Börse reagieren Anleger abwartend. Die Aktie pendelt aktuell bei 49,41 Euro. Damit notiert das Papier knapp unter der 50-Tage-Linie von 52,14 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 10,43 Prozent auf der Kurstafel.

Der nächste Härtetest folgt im Sommer. Am 30. Juli 2026 präsentiert BASF den Halbjahresbericht. Dann muss der Vorstand beweisen, dass die Jahresziele intakt bleiben. Das Management peilt für das Gesamtjahr ein bereinigtes EBITDA zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden Euro an.