Der Rhein macht BASF gerade das Leben schwer. Anfang August fiel der Pegel bei Kaub erstmals unter 20 Zentimeter und erreichte damit einen historischen Tiefstand.

Für das Stammwerk Ludwigshafen, das normalerweise rund 40 Prozent aller Güter per Schiff transportiert, ist das ein handfestes Logistikproblem. Der Konzern verlagert Teile der Fracht auf Lkw und Schiene, um die Produktion aufrechtzuerhalten – eine teurere Lösung, die auf die Kosten drückt.

Die Aktie zeigt sich davon bislang wenig beeindruckt. Am Freitag schloss das Papier bei 51,01 Euro, ein Plus von 1,4 Prozent auf Tagessicht. Über 30 Tage steht ein Anstieg von 6,2 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt BASF mit 15 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, erreicht im April, fehlen der Aktie derzeit noch 7,3 Prozent.

Starkes zweites Quartal als Rückenwind

Der eigentliche Treiber der jüngsten Kursstärke liegt weiter zurück, wirkt aber nach: Ende Juli hatte BASF für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro gemeldet, ein Plus von 2,4 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr.

Preise legten um 11,5 Prozent zu, die Mengen wuchsen um 7,3 Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte auf 2,4 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 854 Millionen Euro.

Auf Basis dieser Entwicklung hob der Konzern seinen Ergebnisausblick für das Gesamtjahr an: Statt bisher 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro erwartet BASF nun ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Zusätzlich verbuchte der Konzern einen Veräußerungsgewinn von 3,5 Milliarden Euro nach Steuern aus dem Ende Juni abgeschlossenen Verkauf des Coatings-Geschäfts an Carlyle.

Parallel dazu läuft die Kapitalrückführung an die Aktionäre weiter. Ende Juli startete BASF ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro, das von August 2026 bis Ende April 2027 laufen soll. Es ist Teil des im September 2024 angekündigten Gesamtprogramms über 4 Milliarden Euro bis Ende 2028. Bereits zwischen November 2025 und Juni 2026 hatte der Konzern Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro zurückgekauft – mehr als 31,6 Millionen Aktien, rund 3,5 Prozent des Grundkapitals, sollen eingezogen werden.

Investitionen in Forschung trotz Belastungen

Auch operativ setzt BASF Akzente: Die Sparte Agricultural Solutions investiert einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in ein neues Climate Center in Limburgerhof. Das Zentrum soll Forschungs- und Regulierungskapazitäten für die Registrierung von Pflanzenschutzmitteln stärken und im ersten Halbjahr 2027 fertiggestellt sein.

Am Kapitalmarkt bleibt die Einschätzung zu BASF gespalten. Ende Juli hatte die UBS ihr Kursziel auf 55 Euro angehoben und die Einstufung Neutral belassen, gestützt auf höhere Gewinnschätzungen und eine bis ins zweite Halbjahr stabil erwartete Nachfrage.

Berenberg zog mit einer Anhebung auf 50 Euro nach, verwies aber zugleich darauf, dass die Aktie weiterhin von gesamtwirtschaftlichen Faktoren wie dem Iran-Konflikt getrieben werde. Jefferies senkte sein Kursziel dagegen auf 44 Euro und begründete dies mit aus seiner Sicht überzogenen Erwartungen an das zweite Halbjahr.

Für die kommenden Wochen bleibt die Wasserstandslage am Rhein der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Mit einem Abstand von 4,1 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt und einem RSI von 57,8 zeigt die Aktie derzeit keine überhitzten Signale. Die nächste Standortbestimmung liefern die Zahlen zum dritten Quartal, die für den 27. Oktober angesetzt sind.