Erst der historische Sieg vor Gericht, jetzt die nächste Attacke: Bayer eröffnet eine neue Front im Glyphosat-Streit – diesmal gegen China. Die Aktie klettert dabei nahe an ihr Rekordhoch heran, doch die Rally hinterlässt deutliche Spuren im Chart.
Antidumping-Antrag gegen chinesisches Glyphosat
Über die Tochtergesellschaft Monsanto und die neu gegründete Ruveon LLC reicht Bayer am 30. Juni 2026 einen Antrag ein. Ziel sind Antidumping- und Ausgleichszölle auf Glyphosat aus China. Adressaten sind das US-Handelsministerium und die US-Handelskommission ITC.
Der Vorstoß kommt nur fünf Tage nach dem wichtigsten juristischen Erfolg seit Jahren. Er zeigt, an wie vielen Fronten Bayer um sein umstrittenstes Produkt kämpft.
Hintergrund ist der Preisdruck aus Fernost. Bayer ist nach eigener Darstellung das einzige Unternehmen, das Glyphosat noch in den USA produziert. Der Konzern sieht sich von billiger chinesischer Ware bedrängt.
Schon bei der Bilanzvorlage für 2025 warnte das Management: Die Preise für generisches Material aus China fielen unter den historischen Median. Für 2026 stellte der Konzern einen Rückgang der Glyphosat-Umsätze um zwei bis sechs Prozent in Aussicht.
Ob das Verfahren tatsächlich zu Schutzzöllen führt, ist offen. Die US-Handelsbehörden müssen den Antrag erst prüfen. Einen Zeitplan gibt es bislang nicht.
Supreme-Court-Urteil als Auslöser der Rally
Der eigentliche Kursauslöser liegt eine Woche zurück. Am 25. Juni 2026 entschied der Oberste US-Gerichtshof mit sieben zu zwei Stimmen gegen die Kläger. Verbraucher können Bayer nicht wegen einer fehlenden Krebswarnung auf Glyphosat verklagen, solange die US-Umweltbehörde keine solche Warnung verlangt.
Das Gericht kassierte damit ein Urteil über 1,25 Millionen US-Dollar. Nach fast einem Jahrzehnt und Rechtskosten von mehr als zehn Milliarden US-Dollar nimmt der Spruch viel Druck aus dem Dauerkonflikt.
Um die verbleibenden Rechtsrisiken gezielter zu steuern, hat Bayer sein US-Glyphosatgeschäft ausgegliedert. Die neue Tochtergesellschaft Ruveon LLC nahm am 1. Juli 2026 den Betrieb auf.
Kurs nahe Rekordhoch, RSI zeigt Überhitzung
Mit dem Schlusskurs von 53,04 Euro am Freitag liegt die Aktie nur 1,52 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro.
Diesen Rekord markierte der Titel erst am 3. Juli.
Das Tempo der vergangenen Wochen ist bemerkenswert. Binnen sieben Tagen legte die Aktie um 13,80 Prozent zu, im Monatsvergleich sind es 53,74 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 39,49 Prozent zu Buche. Auf Zwölfmonatssicht hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, ein Anstieg von 103,41 Prozent.
Vom 52-Wochen-Tief bei 25,09 Euro, markiert am 6. August 2025, hat sich der Kurs um 111,36 Prozent erholt.
Die Dynamik hat allerdings ihren Preis. Der RSI für 14 Tage steht bei 85,1 – ein Niveau, das eine deutlich überkaufte Marktphase signalisiert.
Der Kurs notiert zudem 36,50 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 38,86 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 37,11 Euro beträgt der Abstand sogar 42,91 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 63,19 Prozent. Das unterstreicht die Nervosität im Handel.
Ausblick: Zollverfahren und Pharma-Pipeline
Der Fokus verschiebt sich nun von den Gerichten auf den nächsten Prüfstein. Entscheidend wird, ob Handelsministerium und ITC das Zollverfahren überhaupt eröffnen.
Parallel dazu läuft auf der Pharma-Seite ein weiterer möglicher Kurstreiber. Die US-Gesundheitsbehörde FDA prüft das Schlaganfall-Präparat Asundexian im beschleunigten Verfahren. Ergebnisse erwartet der Konzern für das zweite Halbjahr 2026.
Sollte sich die technische Überhitzung in einer Konsolidierung entladen, gilt der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 39 Euro als nächste Auffangzone. Bestätigen sich dagegen sowohl die rechtliche Entlastung als auch ein Erfolg im Handelsstreit gegen China, dürfte der Markt die Neubewertung des Konzerns fortschreiben.
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