Erst der Antrag, dann der Rückzieher: Bayers US-Tochter Ruveon hat ihren eigenen Vorstoß gegen chinesische Glyphosat-Importe gekippt. Nur wenige Wochen zuvor hatte sie noch Antidumping- und Ausgleichszölle beantragt. Der Schwenk kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich für Bayer gleich mehrere Baustellen entspannen.

Ruveon rudert zurück

Ruveon bündelt seit Anfang Juli das gesamte US-Glyphosatgeschäft von Bayer. Die neue Struktur soll dem margenschwachen Herbizidgeschäft mehr operative Flexibilität verschaffen. Mais-, Sojabohnen- und Weizenverbände hatten den ursprünglichen Zollantrag noch begrüßt.

Der Rückzug wenige Wochen später überrascht deshalb. US-Farmer kämpfen aktuell mit steigenden Betriebsmittelkosten. Zusätzliche Zölle auf Glyphosat hätten die Lage für die Landwirte weiter verschärft. Beobachter werten den Schritt als Vertrauenssignal an die eigene Kundschaft.

Rechtliches Umfeld entspannt sich

Der Zoll-Rückzieher fällt in eine Phase spürbarer juristischer Entlastung. Im Juni hat das oberste US-Gericht ein Urteil gefällt, das die Roundup-Prozessrisiken für Bayer deutlich reduziert. Mehrere US-Analystenhäuser reagierten prompt mit höheren Kurszielen.

Barclays traut der Aktie mittlerweile 60 Euro zu. J.P. Morgan legt sich auf 50 Euro fest. Beide Häuser verweisen zusätzlich auf die verbesserte Bilanzstruktur des Konzerns.

Im Juli platzierte Bayer neue US-Dollar-Anleihen im Volumen von 5 Milliarden Dollar. Die Nachfrage am Kapitalmarkt war groß. Ratingagentur Fitch bestätigte zwar die Bonitätsnote BBB mit negativem Ausblick, doch die Schuldenquote sinkt spürbar.

Kurs bleibt in Bewegung

Die Aktie hat die positiven Nachrichten bereits eingepreist. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 28,6 Prozent zu Buche, allein in den vergangenen 30 Tagen kletterte der Kurs um mehr als 25 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro trennen die Aktie aktuell noch rund 11,6 Prozent.

Die Rally speist sich aus drei Quellen. Erstens die regulatorische Entlastung im Roundup-Rechtsstreit. Zweitens die frische Kapitalstruktur durch die Anleiheplatzierung. Drittens die operative Neuaufstellung des US-Agrargeschäfts über Ruveon.

Der nächste Prüfstein für die Aktie folgt im August. Dann legt Bayer seine Quartalszahlen vor. Erst dort zeigt sich, ob die strategischen Weichenstellungen der vergangenen Wochen auch operativ Früchte tragen.