Der US-Energiekonzern NextEra Energy forciert den Ausbau seiner Erzeugungskapazitäten für stromintensive Datenzentren. Neben Plänen für ein Großprojekt im US-Bundesstaat Kentucky treibt das Unternehmen ein weiteres Vorhaben in Texas voran.
Am gestrigen Donnerstag legte Vorstandschef John Ketchum auf einer Branchenkonferenz von Wolfe Research zudem Details zur weiteren Wachstumsstrategie vor. An der Börse schloss die Aktie gestern bei 67,92 Euro, was einem Tagesgewinn von 1,6 Prozent entspricht.
Großprojekte in Kentucky und Texas
Im Zentrum der jüngsten Ausbaupläne steht die geplante Umwandlung eines früheren Urananreicherungsstandorts des US-Energieministeriums in Kentucky zum Paducah American Energy Hub. Auf dem Areal ist ein Rechenzentrumscampus für Künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen mit einer Last von 1,8 Gigawatt vorgesehen, den das Unternehmen Brookfield entwickeln und betreiben soll.
NextEra plant für diesen Standort 2 Gigawatt an gasbefeuerter Erzeugung sowie Batteriespeicher mit einer Kapazität von bis zu 2,6 Gigawatt. Überschüssige Energie soll in das öffentliche Netz fließen. Erste Aktivitäten an dem Standort könnten 2028 beginnen, während der Abschluss der wesentlichen Arbeiten bis 2032 vorgesehen ist.
Parallel dazu wurde NextEra Energy Resources gemeinsam mit Related Companies und der Lewis Energy Group vom US-Handelsministerium und der südkoreanischen Regierung für das Vorhaben Project Star in Encinal, Texas, ausgewählt. Der dort geplante Energiecampus umfasst ein Investitionsvolumen von über 22 Milliarden US-Dollar.
Vorgesehen sind 6,47 Gigawatt an Gaskraftwerkskapazitäten, die primär einen privaten Rechenzentrumscampus mit einem Bedarf von 5 Gigawatt versorgen sollen. Die Inbetriebnahme erster Einheiten ist vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen ab 2029 avisiert.
Zunehmender Energiebedarf und regulatorischer Gegenwind
Auf der Konferenz bezifferte Vorstandschef Ketchum das Potenzial für Projekte an bundesstaatlichen Standorten auf insgesamt 20,5 Gigawatt. Davon entfallen 18 Gigawatt auf Gaserzeugung und 2 Gigawatt auf Speichersysteme. Für die ersten 10 Gigawatt seien bereits Kapitalzusagen in Höhe von 3,3 Milliarden US-Dollar gesichert.
Gleichzeitig hob die Konzerntochter Florida Power & Light ihre Prognose für den Anstieg von Großlasten im Heimatmarkt Florida von 6 auf 8 Gigawatt an und stellte den Abschluss eines Vertrags mit einem großen Rechenzentrum vor Ende 2026 in Aussicht.
Trotz der gemeldeten Expansionsschritte sieht sich der Konzern auch politischen Hürden gegenüber. Vierzehn US-Abgeordnete wandten sich gestern in einem Schreiben an die Energieaufsicht FERC, um Bedenken gegen den geplanten, 67 Milliarden US-Dollar schweren Zusammenschluss von NextEra mit Dominion Energy vorzubringen.
Die Parlamentarier warnten vor einer Schwächung des Wettbewerbs sowie möglichen Preiserhöhungen für Endverbraucher. Nachdem die Aktionäre der Fusion vor gut drei Wochen zugestimmt hatten, stehen die kartell- und energierechtlichen Prüfungen auf Bundes- und US-Statenebene weiterhin aus. Die NextEra-Aktie liegt aktuell 3,0 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief.
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