Die Sorge vor Stromengpässen beim Ausbau Künstlicher Intelligenz verliert an der Wall Street ihren Schrecken. Eine Vereinbarung zwischen dem Stromversorger Constellation Energy und der Google-Mutter Alphabet über nukleare Kapazitäten hat S&P 500 und Nasdaq Composite auf neue Allzeithochs gehoben. Der S&P 500 kletterte am Dienstag um 0,6 Prozent auf 7.818,93 Punkte.
Im Kern der Vereinbarung steht die Finanzierung zusätzlicher Kernkraft-Kapazitäten durch den Technologiekonzern. Damit zerstreuen die beiden Unternehmen Befürchtungen, wonach politische Gegenreaktionen oder fehlende Energie die Infrastruktur für Rechenzentren ausbremsen könnten. Die Reaktion am Parkett fiel eindeutig aus: Die Papiere von Constellation Energy sprangen um 12,2 Prozent nach oben.
Rückenwind kam zeitgleich aus der Politik. Das US-Energieministerium stellte dem Konkurrenten Vistra eine bedingte Darlehenszusage von bis zu 4,2 Milliarden Dollar in Aussicht. Die Aktie von Vistra gewann daraufhin 11 Prozent. Beim unabhängigen Stromerzeuger NRG stand ein Kursplus von 7 Prozent zu Buche.
Halbleiterwerte ziehen im Windschatten an
Der Energieschub erfasste umgehend die Zulieferer der Technologiebranche. Chipentwickler AMD verteuerte sich um 2,8 Prozent, gestützt von optimistischen Aussagen von Vorstandschefin Lisa Su zur Nachfrage. Marvell kletterte um 5,8 Prozent, während der Rechenzentrumsbetreiber Applied Digital nach gesicherten Stromkapazitäten für einen Standort in Finnland 2,6 Prozent zulegte.
Unterstützung erhielten die Aktienmärkte zusätzlich vom Anleihemarkt. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel auf 5,27 Prozent. Bei den zweijährigen Papieren gab die Rendite auf 4,79 Prozent nach. Marktbeobachter führten diesen Rückgang auf gesunkene Rohölpreise und damit nachlassende Inflationssorgen zurück.
Die Kombination aus gesicherter Stromversorgung für Rechenzentren und sinkenden Marktzinsen lieferte den US-Leitindizes den entscheidenden Impuls für ihre Höchststände. Solange Technologiekonzerne den massiven Energiehunger ihrer Rechenzentren durch eigene Verträge mit Erzeugern absichern können, bleibt einer der größten Bremsklötze für den Infrastrukturausbau vorerst entschärft.
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