Die OHB-Aktie hat einen brutalen Monat hinter sich. Binnen 30 Tagen verlor das Papier fast 39 Prozent. Der Grund liegt nicht in schlechten Geschäften, sondern in einer frisch abgeschlossenen Kapitalerhöhung, die dem Raumfahrtkonzern viel Geld bringt – und den Kurs kräftig verwässert.

Am Montag notiert die Aktie vorbörslich bei 240,50 Euro. Das liegt deutlich unter dem Ausgabepreis von 300 Euro, zu dem OHB neue Aktien platziert hat.

Frisches Kapital für Raumfahrt und Rüstung

OHB hat brutto rund 484 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld kam über eine Privatplatzierung und ein Bezugsangebot herein. Am 9. Juli bestätigte das Unternehmen den Abschluss des Bezugsangebots. Die zweite Tranche der neuen Aktien ging am 14. Juli in den Handel.

Der Kurssturz danach überrascht nicht. Neue Aktien zu einem niedrigeren Preis verwässern bestehende Anteile automatisch. Genau das zeigt sich jetzt im Chart.

J.P. Morgan SE greift deshalb stützend ein. Die Bank hat Stabilisierungsmaßnahmen gestartet, die voraussichtlich bis zum 24. Juli laufen. Solche Maßnahmen sollen extreme Kursausschläge nach einer Kapitalerhöhung abfedern.

Warum OHB trotzdem investiert

Das frische Kapital fließt in konkrete Wachstumspläne. OHB will neue Startoptionen für Raketen schaffen. Neben den ursprünglich geplanten Standorten in der Nordsee sollen künftig auch Starts vom Atlantik und aus Äquatornähe möglich sein.

Der zweite Wachstumstreiber heißt Verteidigung. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius besuchte OHB am 14. Juli in Bremen. Im Mittelpunkt standen Satellitenprogramme und Deutschlands strategische Souveränität im All.

OHB-Chef Marco Fuchs begrüßte bei diesem Termin Pläne für Investitionen von 35 Milliarden Euro in militärische Weltraumfähigkeiten. Das sind keine abstrakten Zahlen für OHB. Der Konzern baut Satellitenplattformen von der Erdbeobachtung bis zur Aufklärung – genau die Systeme, die in solchen Programmen gefragt sind.

Am 29. Juni kam eine weitere Kooperation hinzu. OHB arbeitet künftig mit Schwarz Digits zusammen, der IT-Sparte der Schwarz Gruppe. Ziel ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Satellitenfertigung.

Chart zeigt überverkaufte Lage

Technisch betrachtet steht die Aktie an einer interessanten Marke. Der 14-Tage-RSI liegt bei 32,1 – ein Wert, den manche Analysten als überverkauft einstufen. Historisch folgt auf solche Niveaus oft eine Stabilisierung.

Der Kurs notiert aktuell knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 238,15 Euro. Diese Marke gilt als wichtiger technischer Anhaltspunkt für den langfristigen Trend.

Die kommenden Tage werden zeigen, wie belastbar dieses Niveau ist. Am 24. Juli enden die Stützungskäufe von J.P. Morgan. Ab dann handelt die Aktie ohne diesen Puffer – ein echter Test, ob der Markt den fundamentalen Wachstumsplänen von OHB mehr Gewicht gibt als der frischen Verwässerung.