Liebe Leserinnen und Leser,
die Antwort auf meine gestrige Frage kam schneller als erwartet — und sie fiel eindeutig aus. Ob der MDAX-Ausbruch auf Vierjahreshoch bei normalisierter Liquidität Bestand hat, wollte ich wissen. Am Dienstag kehrten NYSE und Nasdaq zurück, das US-Militär griff nach eigenen Angaben iranische Raketenstellungen und Boote in der Straße von Hormus an, Brent-Öl sprang um knapp 4 Prozent auf 99,92 Dollar — und der DAX gab 0,80 Prozent auf 25.184,89 Punkte ab. Die Erleichterungsrally vom Pfingstmontag ist aufgezehrt. Für Trader stellt sich jetzt nicht die Frage, ob die Geopolitik belastet — das tut sie offensichtlich —, sondern welche technischen Marken halten und wo sich daraus Einstiege ergeben.
DAX: Die SMA20 ist gerissen, jetzt zählt die SMA50
Mit dem Rücksetzer auf 25.184,89 Punkte hat der DAX die SMA20-Unterstützung bei 25.340 Punkten unterschritten. Das kurzfristig bullische Szenario ist damit vorerst vom Tisch. Das nächste Auffangniveau liegt bei der SMA50 um 25.106 Punkte, danach folgt die psychologisch relevante 25.000er-Marke. Erst ein Anstieg über 25.518 Punkte würde den Weg Richtung Allzeithoch (Jahreshoch 25.507,79) wieder freimachen. Das Tagestief von 25.180,50 zeigt, wie knapp der Index bereits an der nächsten Verteidigungslinie notiert.
Andreas Lipkow von CMC Markets warnte am Dienstag, „dass wieder Zweifel wachsen, ob es zeitnah zu einer Einigung zwischen den Kriegsparteien kommen kann“. Die Marktkapitalisierung der DAX-Mitglieder liegt bei 2,059 Billionen Euro, seit Jahresbeginn steht der Index noch 2,95 Prozent im Plus. Das klingt komfortabel — ist aber viel Luft nach unten, falls die Lage in der Straße von Hormus weiter eskaliert.
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SAP und MTU geben ab — Infineon zieht institutionelles Geld an
Die Tagesverlierer liefern die Setups für die kommenden Sitzungen. SAP gab 2,40 Prozent auf 150,78 Euro nach, MTU Aero Engines verlor 2,26 Prozent auf 307,00 Euro. Beide gehörten in den Vortagen zu den stärksten Treibern — MTU stand zuletzt mit +6,97 Prozent ganz oben im Index. Wer bei MTU einen Rebound spielen will, findet im Bereich um 300 Euro eine klar definierte Risikomarke.
Auf der Gegenseite fielen drei Namen auf: Zalando legte 1,98 Prozent auf 22,15 Euro zu, EON SE gewann 1,38 Prozent auf 18,69 Euro, Infineon stieg 0,85 Prozent auf 77,38 Euro. Besonders Infineon verdient Beachtung: Mit 2,14 Millionen gehandelten Aktien war der Halbleiterwert die mit Abstand liquideste DAX-Aktie am Dienstag. Dieses Volumen in einem schwachen Markt spricht für institutionelles Interesse. Bei den Bewertungsankern bleibt Porsche Automobil mit einem KGV von 3,42 der günstigste DAX-Wert, Mercedes-Benz Group bietet mit 6,61 Prozent die höchste Dividendenrendite.
TecDAX: Siltronic trotzt der Schwäche, ATOSS und Nemetschek öffnen Rebound-Fenster
Der TecDAX verlor am Dienstag 0,66 bis 0,81 Prozent auf 4.063 Punkte, bleibt seit Jahresanfang aber mit +12,11 Prozent klarer Outperformer gegenüber dem DAX. Bemerkenswert ist die Spreizung innerhalb des Index: Siltronic legte 2,91 bis 3,05 Prozent auf 97,35 Euro zu und steht im Monatsvergleich 28,46 Prozent höher. Die Halbleiter-Story trägt auch in fallenden Märkten. Hensoldt gab zwar 2,31 Prozent am Tag ab, notiert im Monat aber weiterhin 20,03 Prozent im Plus.
Für Rebound-Trader interessanter: ATOSS Software brach 3,71 bis 3,92 Prozent auf 76,00 Euro ein, Nemetschek verlor 2,73 bis 3,55 Prozent auf 62,50 Euro. Beide gelten als qualitative Software-Titel, deren Korrektur in technisch interessante Zonen führt. TeamViewer bleibt mit einem KGV von 5,66 der günstigste TecDAX-Wert, freenet bietet 7,90 Prozent Dividendenrendite.
MDAX hält sich besser — Aurubis und K+S profitieren vom Ölpreis
Der MDAX zeigte am Dienstag relative Stärke: nur minus 0,14 Prozent auf 32.761,92 Punkte, das Jahresplus liegt bei 5,75 Prozent. Tagesgewinner waren Aurubis (+3,29 Prozent) und K+S (+2,78 Prozent) — beides klassische Rohstoff-Positionen, die vom steigenden Brent-Preis profitieren.
Delivery Hero notierte bei 38,01 Euro (+1,09 Prozent) und bleibt das Übernahme-Thema der zweiten Reihe: Großaktionär Prosus muss bis Herbst 2026 unter 10 Prozent reduzieren und hat im April bereits an Uber verkauft. Ein vollständiges Uber-Angebot bleibt damit im Spiel. Höchstes Handelsvolumen im MDAX hatte TUI mit 1,84 Millionen Stück, größter Indexwert ist Porsche vz mit 41,5 Milliarden Euro Börsenwert.
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Krypto: Bitcoin-Spot-Volumen bricht um 81 Prozent ein
Bitcoin fiel auf 76.237 Dollar (minus 1,50 Prozent in 24 Stunden) und rutschte unter die Marke von 77.000 Dollar. Auffälliger als der Preis ist der Volumenschwund: Das Spot-Handelsvolumen ist laut CryptoQuant-Analyst Darkfost seit Oktober 2025 um 81 Prozent eingebrochen. Binance verlor von 198,6 auf 36,4 Milliarden Dollar, Gate.io minus 79,6 Prozent, Bybit minus 66 Prozent. Institutionelle Bitcoin-Produkte verzeichneten laut CoinShares 1,5 Milliarden Dollar Abflüsse — der größte Wochenrückgang 2026.
Bei Ethereum (2.133 Dollar, minus 9 Prozent im Monat) kauft Bitmine Immersion Technologies aggressiv den Dip: 111.942 ETH für 237 Millionen Dollar in der Vorwoche. Damit hält die Firma 5,4 Millionen ETH oder 4,5 Prozent des Umlaufs — 89 Prozent des selbstgesteckten 5-Prozent-Ziels. 4,7 Millionen ETH sind gestaked und generieren 276 Millionen Dollar pro Jahr. Chairman Tom Lee setzt explizit auf einen „Superzyklus“ durch Tokenisierung. Für ETH bleibt 2.100 Dollar die kritische Marke; darunter öffnen sich 1.900 und 1.650 Dollar als nächste Stationen.
Was jetzt zählt
Die kommenden Tage werden vom Tonfall zwischen Washington und Teheran bestimmt — und von harten Daten. Das US-Verbrauchervertrauen fiel im Mai auf 93,1 Punkte, kein Alarmsignal, aber ein Zeichen dafür, dass die Inflationssorgen aus dem Iran-Konflikt bei den Konsumenten ankommen. Wichtigster Einzeltermin der Woche: Dell Technologies liefert am Donnerstag Q1-Zahlen für das Geschäftsjahr 2027. Optionen preisen eine Kursbewegung von 10 bis 11,75 Prozent ein.
Für deutsche Anleger verdichtet sich alles auf eine Zahl: 25.106 Punkte. Hält die SMA50, bleibt das übergeordnete Bild intakt. Fällt sie, wird die 25.000er-Marke zum nächsten Test — und die Frage, ob die Pfingst-Rally mehr war als ein Strohfeuer, beantwortet sich von selbst.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


