Ein Schlupfloch schließt sich, und Verbio sieht sich als Profiteur. Das Bundeskabinett hat gestern die Novelle der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung beschlossen und damit den bisherigen Vertrauensschutz bei Nachhaltigkeitsnachweisen beendet. Der Leipziger Biokraftstoffhersteller spricht von einer langjährigen Forderung, die nun erfüllt wird.

Was sich ändert

Künftig können falsch deklarierte Biokraftstoffe von der Anrechnung auf die Treibhausgasminderungsquote ausgeschlossen werden. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung erhält zudem erweiterte Kontrollmöglichkeiten. Bisher konnten sich Marktteilnehmer auf Zertifikate verlassen, selbst wenn diese fragwürdig waren.

Verbio hatte nach eigener Darstellung wiederholt auf diese Schwachstelle hingewiesen und Wettbewerbsverzerrungen kritisiert. Gemeinsam mit den bereits verabschiedeten Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Richtlinie RED III sei das regulatorische Fundament für die Betrugsbekämpfung nun vollständig. Das Marktumfeld habe sich seit Jahresbeginn bereits deutlich verbessert, der Beschluss festige diese Entwicklung.

Konzernchef Claus Sauter formuliert es so: Es gelte „endlich wieder Fair Play“. Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zählten wieder mehr als Zertifikate.

Rückenwind aus der Verkehrspolitik

Parallel dazu begrüßt Verbio die deutsch-französische Initiative, die europäischen CO2-Flottengrenzwerte ab 2035 anzupassen. Ebenso unterstützt das Unternehmen den Vorstoß des Bundesverkehrsministeriums für E20-Benzin mit bis zu 20 Prozent Bioethanol. Auch B10-Diesel mit bis zu zehn Prozent Biodiesel sieht der Konzern als Hebel.

Die Argumentation: Beide Kraftstoffe senken Emissionen im bestehenden Fahrzeugbestand sofort, verringern die Abhängigkeit von fossilen Importen und stützen regionale Wertschöpfung. Sauter hält das für wirksamer als milliardenschwere Tankrabatte. „Das Problem ist nicht der Verbrenner. Das Problem ist der Kraftstoff“, sagt er.

Verbio fordert außerdem, dass bei der geplanten emissionsarmen Fahrzeugkategorie alle RED-III-konformen Biokraftstoffe zählen, ob aus Anbaubiomasse, Reststoffen oder Abfällen.

Börse reagiert verhalten

Die Aktie gab am Donnerstag leicht nach und notierte zuletzt bei 28,76 Euro, ein Minus von knapp 0,8 Prozent. Der SDAX lag parallel leicht im Plus. Auf Jahressicht steht allerdings ein Zuwachs von rund 76 Prozent zu Buche.

Den nächsten konkreten Anhaltspunkt liefert Verbio am 12. November 2026 mit der Quartalsmitteilung zum ersten Geschäftsquartal 2026/2027. Dann zeigt sich, wie stark sich das verbesserte Marktumfeld bereits in den Zahlen niederschlägt.