Ein folgenschwerer Sicherheitsvorfall bei der weltgrößten Krypto-Handelsplattform Binance und massive Mittelabzüge aus börsengehandelten Fonds belasten die Krypto-Märkte spürbar. Nachdem Angreifer Vermögenswerte in Milliardenhöhe erbeuteten und institutionelle Investoren hunderte Millionen Dollar aus US-Spot-ETFs abzogen, fiel der Bitcoin-Kurs in Richtung der Marke von 76.000 Dollar zurück. Neben den Sicherheitsfragen drücken anhaltende Zinssorgen auf die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer.

Milliardenverlust und rekordhohe ETF-Abzüge

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war ein Cyberangriff auf Binance am 29. Oktober. Angreifer entwendeten Kryptowerte im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar aus den Hot Wallets der Plattform. Rund 3 Milliarden Dollar davon wurden nach Unternehmensangaben eingefroren. Obwohl die Börse zusicherte, sämtliche Verluste aus eigenen Reserven zu decken, reagierten viele Nutzer verunsichert.

Nach der Wiederaufnahme der Auszahlungen zogen Kunden bis zum Wochenbeginn netto rund 4,72 Milliarden Dollar von der Handelsplattform ab. Das entsprach etwa drei Prozent der gesamten Plattformbestände. Erste Untersuchungen deuten auf einen kompromittierten Rechner eines Entwicklers hin, Ermittler vermuten nordkoreanische Hacker hinter der Aktion.

Parallel dazu kehrten auch institutionelle Anleger den Krypto-Fonds den Rücken. Die US-Spot-ETFs für Bitcoin verzeichneten am 30. Oktober Nettoabflüsse von gut 643 Millionen Dollar. Dies markierte den höchsten Tagesabfluss seit Ende Juni. Am darauffolgenden Handelstag flossen weitere 399 Millionen Dollar ab.

Der Verkaufsdruck beschränkte sich nicht auf die Leitwährung. Bei Ethereum-ETFs summierten sich die Abflüsse im gesamten Oktober auf rund 1,61 Milliarden Dollar, während Solana-Fonds im selben Monat Abzüge von gut 143 Millionen Dollar registrierten. Zusätzliche Verunsicherung streute eine Sicherheitswarnung des Zahlungsdienstes BTCPay Server, nachdem Unbefugte Zugriff auf digitale Geldbörsen erlangt hatten.

Technische Unterstützungen und anstehende Termine

Am 3. November notiert Bitcoin in einer Spanne zwischen 76.379 Dollar und 77.930 Dollar. Damit liegt die Leitwährung spürbar unter dem Niveau von vor einer Woche. Marktbeobachter verweisen charttechnisch auf die 100-Tage-Linie bei rund 76.000 Dollar als erste Unterstützung. Darunter verläuft die 200-Tage-Linie bei etwa 73.200 Dollar.

Für eine nachhaltige Entlastung des Chartbilds müsste der Kurs wieder über die Marke von 80.000 Dollar steigen. Neben den internen Branchenfaktoren bleibt das geldpolitische Umfeld herausfordernd, da die Terminmärkte eine US-Zinserhöhung im Dezember derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 74 Prozent einpreisen.

Auf der Agenda stehen nun mehrere Termine, die den Krypto-Märkten neue Impulse geben könnten:

  • Heute finden die Wahlen zum amerikanischen Kongress statt, die auch den Rahmen für künftige Regulierungsinitiativen abstecken.
  • Am Mittwoch folgt die Veröffentlichung des ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor.
  • Am Freitag um 14:30 Uhr gibt der offizielle amerikanische Arbeitsmarktbericht Aufschluss über die Lage der US-Wirtschaft.

Den Abschluss dieses Datenreigens bilden am 10. November die neuen Zahlen zu den US-Verbraucherpreisen.