Der Hack bei Binance hat den Bitcoin auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen gedrückt. Interessanter als der Kursrückgang ist, was der Angreifer jetzt mit der Beute macht: Er hält allein rund 18.270 Bitcoin und bewegt weiter Gelder.

Kurs unter Druck, aber ohne Ausverkauf

Auf Bitstamp fiel der Bitcoin im Tagesverlauf bis auf 76.320 Dollar, nach knapp 82.000 Dollar am Vortag. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf etwa fünf Prozent. Auch Ethereum und XRP gaben nach.

Verstärkt wurde die Schwäche durch das Umfeld. Enttäuschende Bilanzen großer US-Techkonzerne hatten schon zuvor die Nasdaq belastet und den Bitcoin mit nach unten gezogen.

Marktbeobachter sehen den Rückgang dennoch gelassen. Analyst Timo Emden von Captrader verweist darauf, dass die Verluste im Vergleich zu früheren Börsenhacks eng begrenzt blieben. Dass die ganz großen Verwerfungen ausblieben, spreche für eine relative Stärke der Kryptowährung.

Was bei Binance passiert ist

Binance beziffert den Schaden auf rund 6,3 Milliarden Dollar. Zunächst sprach die Börse von einem kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs. Inzwischen räumt sie „zusätzliche Einbruchspunkte“ ein. CEO Richard Teng beschreibt einen komplexen Angriff, nicht bloß eine einzelne Aktion.

Einen Teil der Beute konnte Binance sichern. Etwa 3 Milliarden Dollar sind nach Unternehmensangaben onchain eingefroren, darunter Stablecoin-Bestände, die Tether und Circle blockierten. Verluste will die Börse aus ihrem SAFU-Notfallfonds und eigenen Mitteln ausgleichen.

Einzahlungen laufen laut Teng wieder normal. Auszahlungen bleiben ausgesetzt, bis der Dienst überarbeitet ist. Die Wiederaufnahme ist in 45 Stunden vorgesehen.

Der Angreifer bleibt aktiv

Die Analysefirma Arkham beziffert die Beute auf 6,01 Milliarden Dollar, abgezogen aus Hot Wallets auf neun Blockchains. Rund 2,9 Milliarden Dollar ließen sich demnach weiter bewegen. Der Angreifer verschob zuletzt Ether und Tron-Token auf neue Adressen. Ein Teil davon lässt sich offenbar noch nachverfolgen.

Für den Bitcoin-Markt ist das der heikle Punkt. Die rund 18.270 BTC, die der Angreifer laut Arkham hält, entsprechen bei aktuellem Kurs etwa 1,4 Milliarden Dollar. Würden sie am Markt verkauft, entstünde zusätzlicher Angebotsdruck. Bisher gibt es dafür keine Anzeichen.

Binance will nach Abschluss der Untersuchung eine technische Analyse und aktualisierte Reservenachweise veröffentlichen. Bis dahin richtet sich der Blick auf die Auszahlungen: Laufen sie wie angekündigt in rund 45 Stunden wieder, dürfte das den Druck auf den Kurs mindern.