600 Bitcoin im Wert von rund 47 Millionen Dollar sind noch immer verschwunden. Der Betreiber der Bitcoin-Sidechain Liquid Network steckt in laufenden Verhandlungen mit den Angreifern, die das System um insgesamt rund 320 Millionen Dollar erleichtert hatten. Ein kurioser Fall, der zeigt, wie fragil selbst etablierte Infrastruktur rund um Bitcoin sein kann.

Vom Diebstahl zur Teilrückgabe

Die Täter nutzten am Sonntag eine Schwachstelle in der Elements-Software von Liquid aus, um ungedeckte L-BTC-Token zu erzeugen und gegen echte Bitcoin-Reserven einzutauschen. Rund 4.000 Bitcoin flossen so ab. Nachdem Blockstream, das Unternehmen hinter der Sidechain, die Lücke geschlossen hatte, gaben die Angreifer am Montag 3.400 Bitcoin zurück — sie hatten sich zuvor auf der Bitcoin-Blockchain selbst als „White Hats“ bezeichnet.

Ledger-CTO Charles Guillemet äußerte öffentlich Zweifel an dieser Selbstdarstellung. Wer noch 600 Bitcoin zurückhalte und offenbar über eine Belohnung verhandle, agiere eher wie ein Erpresser als wie ein wohlmeinender Sicherheitsforscher, schrieb er auf X. Private Schlüssel der Liquid-Föderation wurden nach Angaben der Betreiber nicht kompromittiert, der Auszahlungsmechanismus funktionierte technisch wie vorgesehen — die Schwäche lag in der Validierung auf Transaktionsebene.

Wiederkehrendes Muster bei Mining-Infrastruktur

Nicht nur Software-Lücken sorgen für Ärger in der Bitcoin-Welt. In Mexiko beschlagnahmten Behörden am Wochenende 300 Mining-Maschinen, die illegal Strom aus einem staatlichen Wasserkraftwerk in der Sierra Norte bezogen hatten.

Ermittler werten aus, ob mit den Anlagen auch Geld gewaschen wurde, die staatliche Stromgesellschaft ist an der Untersuchung beteiligt. Ähnliche Razzien gab es zuletzt auch in Malaysia und Brasilien — Stromdiebstahl durch Miner bleibt ein globales Ärgernis, unabhängig vom Kursniveau.

Auf der strategischen Seite meldete sich unterdessen Binance-Gründer Changpeng Zhao zu Wort. Er hatte 2014 seine Wohnung verkauft, um vollständig in Bitcoin zu investieren — zu einem Durchschnittspreis von rund 600 Dollar je Coin. Heute rät er von einem solchen All-in-Schritt ab und empfiehlt stattdessen regelmäßige Käufe mit einem kleinen, verkraftbaren Anteil des Einkommens.

Für Liquid Network bleibt die Kernfrage offen, wie schnell die verbliebenen 600 Bitcoin zurückfließen. Blockstream bereitet nach eigenen Angaben ein Notfall-Update vor, das die ungültige Auszahlung rückgängig machen und den Netzwerkbetrieb normalisieren soll — ein konkreter Zeitplan dafür steht bislang nicht.