Ein Ethik-Kompromiss im US-Senat schickt Bitcoin auf Erholungskurs. Am Dienstag klettert die Kryptowährung zeitweise um 2,72 Prozent auf 66.393,23 US-Dollar, Ether legt sogar 3,44 Prozent auf 1.940,75 US-Dollar zu. Der Auslöser liegt diesmal nicht im Markt selbst, sondern in einem politischen Verfahren, das seit Wochen als größte Blockade für institutionelles Kapital gilt.
Der Clarity Act bekommt neue Dynamik
Das Weiße Haus hat sich Berichten zufolge mit Senatsrepublikanern auf eine Ethik-Klausel für den Clarity Act geeinigt — jenes Marktstruktur-Gesetz, das digitalen Assets in den USA endlich einen klaren regulatorischen Rahmen geben soll. Genau an dieser Klausel war die Verhandlung bislang gescheitert: Demokraten um Elizabeth Warren hatten gefordert, Präsident und Regierungsmitglieder von Krypto-Gewinnen auszuschließen, nachdem Trump selbst Einnahmen von über 1,2 Milliarden Dollar aus Kryptowährungen offengelegt hatte.
Die Wettplattform Polymarket reagierte prompt. Der Kontrakt auf ein Inkrafttreten des Gesetzes noch in diesem Jahr sprang um zwölf Prozentpunkte auf 42 Prozent — bleibt aber deutlich unter den zuvor erreichten 75 Prozent. Sollte der Clarity Act tatsächlich die nötige 60-Stimmen-Hürde nehmen, könnte das nach Einschätzung von Marktbeobachtern institutionelles Kapital freisetzen, das derzeit an der Seitenlinie wartet. Spekulativ diskutiert wird sogar eine Bewegung Richtung 80.000 Dollar in den kommenden Wochen — bestätigt ist das freilich nicht, und die kommenden Wochen vor der August-Sommerpause gelten als entscheidend.
Quantencomputer als langfristiges Risiko
Parallel zur politischen Debatte rückt ein technisches Thema in den Fokus: die Verwundbarkeit von Bitcoin durch künftige Quantencomputer. Galaxy Digital hat dazu eine Initiative gestartet und stellt bis zu 5 Millionen Dollar für Entwickler-Förderungen, Forschung und einen neuen Beirat bereit. Dessen Gründungsmitglieder kommen unter anderem von der University of Calgary und dem MIT.
Hintergrund ist das sogenannte „Q-Day“-Szenario: Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte über den Shor-Algorithmus private Schlüssel aus offengelegten öffentlichen Schlüsseln ableiten und Wallets leerräumen, ohne dass die Transaktion als betrügerisch markiert würde. Schätzungen gehen von rund 6,9 bis 7 Millionen quantenanfälligen Bitcoin aus — betroffen sind vor allem alte, wiederverwendete Adressen. Ein solcher Quantencomputer gilt laut Fachschätzungen frühestens ab 2030, wahrscheinlicher ab 2033 als realistisch, Vorschläge wie BIP-360 und BIP-361 sollen das Netzwerk mittelfristig absichern.
Kryptoaktien ziehen mit
Die Kursstimmung erfasst auch die börsennotierten Kryptowerte. Coinbase gewinnt vorbörslich 3,05 Prozent auf 165,32 US-Dollar, die Strategy-Aktie klettert 3,32 Prozent auf 101,07 US-Dollar. Beide Titel folgen dabei klassisch der Marktstimmung, nicht der eigenen Geschäftsentwicklung — ein Muster, das sich bei Kryptoaufschwüngen regelmäßig wiederholt.
Charttechnisch nähert sich Bitcoin einer wichtigen Widerstandszone, begünstigt auch durch zuletzt rückläufige US-Inflationsdaten. Ob der politische Rückenwind aus Washington trägt, entscheidet sich in den kommenden Wochen — bis zur Sommerpause des Senats im August bleibt das Zeitfenster für den Clarity Act denkbar knapp.
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