Bitcoin ist zurück über 78.000 Dollar und steuert auf den größten Wochengewinn seit drei Jahren zu. Vom Tief am 14. August aus ging es zeitweise um mehr als 27 Prozent nach oben, bis auf 79.500 Dollar. Der Auslöser liegt allerdings nicht im Kryptomarkt selbst, sondern in Washington.
Die Fed spielt eine Nebenrolle, das Finanzministerium die Hauptrolle
Das US-Finanzministerium hat angekündigt, seine Liquiditätsstützungskäufe für langlaufende Staatsanleihen bis zum 9. September auf bis zu vier Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln, nachdem die Renditen am langen Ende deutlich gestiegen waren.
Genau diese Intervention gilt als Zündfunke der aktuellen Bewegung. Schwächere US-Konjunkturdaten, sinkende Zinserwartungen und wachsende Zweifel an der fiskalischen Tragfähigkeit der USA schaffen ein Umfeld, in dem Bitcoin von einem schwächeren Dollar und der Aussicht auf mehr Liquidität profitiert.
Die Researchabteilung von Bernstein sieht darin einen möglichen Wendepunkt für die Marktdynamik insgesamt. Die schwache Kryptomarkt-Performance in diesem Jahr habe zuvor auch mit strafferen Finanzbedingungen nach dem Iran-Konflikt und der Kapitalflucht in Richtung KI- und Halbleiterwerte zu tun gehabt.
Fließt nun ein Teil der zunehmend schuldenfinanzierten KI-Investitionen an Liquidität zurück in den Markt, könnte davon auch Bitcoin als Absicherung profitieren.
Sichtbar wird die Trendwende bereits bei den Bitcoin-ETFs. Nach Abflüssen von rund sieben Milliarden Dollar im Mai und Juni – etwa zehn Prozent des verwalteten Vermögens – flossen dieser Woche 1,6 Milliarden Dollar netto zurück, allein 606,3 Millionen Dollar am Donnerstag. Das verwaltete Gesamtvermögen der US-Spot-ETFs kletterte damit von rund 70 auf über 85 Milliarden Dollar. BlackRocks IBIT-Fonds führte die jüngsten Zuflüsse mit 503 Millionen Dollar an einem einzigen Tag an.
Asien zieht wieder mit
Auch in Südkorea ist die Rückkehr des Interesses spürbar. Das Handelsvolumen der größten Kryptobörse des Landes, Upbit, sprang binnen eines Tages um 273 Prozent auf rund 1,84 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit Mitte März. Die zweitgrößte Börse Bithumb verzeichnete ein Plus von 132,9 Prozent.
Beide Plattformen hatten zuvor unter der Kryptoflaute gelitten, während der heimische Aktienindex KOSPI dank des Halbleiterbooms auf Rekordhochs kletterte. Marktbeobachter werten die jüngste Bewegung als beginnende Rückverlagerung von Kapital in Richtung Krypto, warnen jedoch, dass koreanisches Kapital erfahrungsgemäß eher einer bestehenden Rally folgt als sie auszulösen.
Parallel dazu hat sich die Lage bei Strategy, dem größten börsennotierten Bitcoin-Halter, spürbar entspannt. Das Unternehmen hält 840.447 BTC zu einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.385 Dollar und sitzt damit bei aktuellen Kursen auf einem Buchgewinn von über zwei Milliarden Dollar. In den vergangenen Wochen wurden lediglich rund 0,8 Prozent der Bestände verkauft, um Dividendenreserven und Rückkäufe der Vorzugsaktie STRC zu stützen.
Der nächste wichtige Termin für die Marktrichtung ist das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole. Zusätzlich steht am 15. September eine prozedurale Abstimmung über den Clarity Act an, der mehr regulatorische Klarheit für digitale Vermögenswerte in den USA schaffen soll.
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