Bitcoin hat sich von seinem jüngsten Zwischenhoch bei 79.461 Dollar wieder etwas entfernt und pendelte am Sonntag um 76.500 Dollar. Der Rücksetzer wirkt nach der massiven Erholung der Vorwoche fast unspektakulär — schließlich hatte die Kryptowährung ihren größten Wochengewinn seit zwei Jahren hingelegt. Interessanter als der Kurs selbst ist gerade, wer von der Bewegung profitiert: die Miner.

Die sogenannte Hashprice, ein Maß für den erwarteten Ertrag pro Rechenleistungseinheit, kletterte binnen vier Tagen um gut 20 Prozent auf 38,29 Dollar je Petahash pro Sekunde. Am 18. August lag der Wert noch bei 31,80 Dollar. Die Netzwerk-Rechenleistung nähert sich mit rund 922 Exahashes pro Sekunde der Marke von einer Zettahash — ein Rekordniveau, das zeigt, wie viel Kapital derzeit in die Infrastruktur fließt.

ETFs ziehen wieder Kapital an

Parallel zur Kurserholung meldeten die US-Spot-ETFs für Bitcoin und Ether die stärkste Zuflusswoche seit Oktober 2025. Zusammen kamen 2,6 Milliarden Dollar herein, davon 1,9 Milliarden Dollar allein in Bitcoin-Produkte. Das Handelsvolumen der Bitcoin-ETFs verdreifachte sich nahezu auf 22,1 Milliarden Dollar.

Besonders auffällig: Der Umschwung kam abrupt. Nur eine Woche zuvor hatten die Fonds noch Nettoabflüsse von 392 Millionen Dollar verzeichnet. Trotz der starken Woche bleibt für 2026 unter dem Strich ein Abfluss von etwa 2,9 Milliarden Dollar bei den Bitcoin-ETFs stehen — die jüngste Welle hat das Minus lediglich verkleinert, nicht ausgeglichen.

Grayscale-Researchchef Zach Pandl sieht in der Entwicklung Anzeichen dafür, dass sich der aktuelle Bärenmarkt seinem Ende nähert. Mit rund zehn Monaten Dauer liegt er nahe am historischen Durchschnitt von elf bis zwölf Monaten, den frühere zyklische Abschwünge bei Bitcoin genommen haben.

Als längerfristige Treiber nennt er die steigende US-Staatsverschuldung — sie lag am 20. August bei rund 40,03 Billionen Dollar —, die zunehmende Nutzung von Blockchain-Technologie im Finanzsektor und einen Generationswechsel in der Portfoliostruktur vieler Anleger.

Zinsentscheidung bleibt Risikofaktor

Das größte Risiko für die Rally liegt weiterhin bei der Geldpolitik. Die US-Notenbank hielt ihren Leitzins im Juli bei 3,5 bis 3,75 Prozent, wobei drei Vertreter sich bereits für eine Erhöhung aussprachen. Eine künftige Zinsanhebung würde zinslose Anlagen wie Bitcoin unter Druck setzen — ein Szenario, das die aktuelle Erholung schnell wieder infrage stellen könnte.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die frischen ETF-Zuflüsse eine nachhaltige Trendwende einleiten oder nur eine Momentaufnahme der jüngsten Short-Squeeze-Dynamik bleiben. Für die Miner zählt vorerst vor allem eines: Bei einer Hashprice von knapp 38 Dollar rechnet sich das Geschäft wieder deutlich besser als noch vor einer Woche.