Der Bitcoin-Kurs tut fast nichts – doch unter der Oberfläche brodelt es. Während die Notierung an der Handelsplattform Bitstamp bei rund 64.000 Dollar verharrt, verzeichnet die Blockchain die höchste Aktivität des Jahres. Grund ist der andauernde Coldcard-Hack, der laut Marktbeobachtern historische Parallelen zu früheren Wendepunkten aufweist.

Sicherheitslücke sorgt für Rekordbewegung

Der Angriff auf den Hardware-Wallet-Anbieter Coldcard weitet sich aus. Mittlerweile geht die Research-Firma Galaxy von mindestens 15 verschiedenen Angreifern aus, der geschätzte Schaden liegt bei etwa 130 Millionen Dollar, umgerechnet rund 2.000 Bitcoin. Die Handelsplattform K33 beziffert die tatsächlich gestohlene Menge konservativer auf 1.596 Bitcoin aus knapp 7.300 Adressen.

Parallel dazu registrierte K33 die höchste Onchain-Aktivität des Jahres 2026: Rund 890.000 Bitcoin wechselten in der vergangenen Woche den Besitzer. K33-Analyst Vetle Lunde sieht darin ein bekanntes Muster – ähnlich hohe Bewegungsspitzen fielen in der Vergangenheit regelmäßig mit lokalen Markttiefs oder -hochs zusammen, etwa während der Baisse 2022 oder den Rallyes 2024 und 2025. „Panik ist onchain sichtbar“, schreibt Lunde und verweist darauf, dass Anleger in Stressphasen Coins auf Börsen bewegen, um Verluste zu begrenzen. Bemerkenswert: Die Kursschwankungen selbst blieben zuletzt so gering wie seit 2023 nicht mehr, die realisierte Volatilität lag sogar unter der des Nasdaq 100. Der Hack dürfte laut Lunde zusätzlich Sorgen um andere Wallet-Anbieter wie Ledger oder Trezor geschürt haben – manche Nutzer könnten deshalb auf zentrale Verwahrer oder Multisig-Lösungen umsteigen.

ETF-Zuflüsse trotz Unsicherheit

Trotz der Unruhe um die Wallet-Sicherheit fließt weiter Geld in Bitcoin-Investmentprodukte. US-Spot-ETFs verzeichneten zuletzt Nettozuflüsse von 212 Millionen Dollar, angeführt vom iShares Bitcoin Trust mit 170 Millionen Dollar. Der Crypto Fear and Greed Index kletterte leicht auf 38 Punkte und signalisiert damit weiterhin Angst unter Anlegern, nicht Gier.

Die Gemengelage bleibt widersprüchlich: Einerseits stützen ETF-Zuflüsse und sinkende Zinserwartungen die Stimmung, andererseits belasten die ungeklärte Zukunft des Digital Asset Market Clarity Act in den USA sowie die Furcht vor weiterem Verkaufsdruck durch bewegte Diebstahl-Coins. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 1,28 Billionen Dollar ist Bitcoin im globalen Ranking aller Vermögenswerte zuletzt auf Platz 14 zurückgefallen, zwischen Tesla und Samsung.

Ob die aktuelle Onchain-Bewegung tatsächlich einen Wendepunkt markiert, lässt sich erst im Nachhinein sicher sagen – historisch traf das Muster laut K33 aber bislang zuverlässig auf ähnliche Ausschläge zu.