Michael Saylor postet sonntags gerne Charts – und meistens verrät die Bildunterschrift schon den nächsten Schritt von Strategy. Diesmal bleibt der Executive Chairman vage: „Orangene Punkte erzählen nur einen Teil der Geschichte“, schrieb er zu der bekannten Bitcoin-Erwerbsgrafik seines Unternehmens. Nach den jüngsten Verkäufen wirkt die Andeutung wie ein bewusstes Rätsel.
Rekordverkauf ohne klare Ansage
Auslöser der Spekulationen ist der Verkauf von 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar – der größte Einzelverkauf in der Firmengeschichte von Strategy. Das Geld floss laut Unternehmensangaben in Vorzugsdividenden und in die Auffüllung der Dollar-Reserve, die für genau solche Zahlungen vorgesehen ist.
Strategy hält weiterhin 843.775 Bitcoin, angeschafft für insgesamt rund 63,69 Milliarden Dollar – im Schnitt 75.476 Dollar pro Coin. Bei einem Bitcoin-Kurs nahe 64.000 Dollar sind die Bestände aktuell etwa 54 Milliarden Dollar wert.
Der daraus resultierende Buchverlust liegt bei gut 9,7 Milliarden Dollar, also rund 15 Prozent des Einstandspreises. Strategy bleibt mit einem Anteil von gut 4 Prozent am gesamten Bitcoin-Angebot dennoch der größte Unternehmenshalter der Kryptowährung. Die frühere Selbstverständlichkeit reiner Zukäufe ist damit passé: Ein neues Kapitalrahmenwerk erlaubt inzwischen auch Verkäufe zur Bedienung von Dividenden, Zinsen und Aktienrückkäufen – flankiert von zwei separaten Rückkaufprogrammen für Vorzugs- und Stammaktien im Volumen von jeweils rund einer Milliarde Dollar.
Geopolitik und Protokollstreit im Hintergrund
Der Kurs selbst zeigte sich zuletzt robust. Trotz einer weiteren Eskalation im Iran-Konflikt – die USA hatten erneut Ziele angegriffen, Teheran erklärte die Straße von Hormus für gesperrt – blieb Bitcoin über dem Wochenende stabil. Während klassische Märkte geschlossen waren, fungierte die Kryptowährung zeitweise als einziges liquides Asset zur Einpreisung geopolitischer Risiken.
Parallel dazu gärt in der Entwickler-Community der Streit um BIP-110, einen Vorschlag zur Beschränkung nicht-finanzieller Daten auf der Blockchain. Bekannte Bitcoin-Befürworter wie Saylor und Blockstream-Mitgründer Adam Back warnen vor größeren Risiken durch die Regeländerung als durch das eigentliche Problem. Die Zustimmung unter großen Mining-Pools liegt bislang unter einem Prozent – für eine Aktivierung reicht das nicht.
In Washington drängt derweil Senatorin Cynthia Lummis auf eine zügige Verabschiedung des CLARITY Act, der die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC im Kryptobereich klären soll. Das Gesetz hat den Kongress bereits im Repräsentantenhaus passiert.
Für BIP-110 läuft die Frist Anfang August. Ob Strategy in der laufenden Woche tatsächlich erneut verkauft oder zukauft, hat das Unternehmen bislang nicht bestätigt – Saylors Chart lässt beide Optionen offen.
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