Ein Wochenende, ein 110-Punkte-Essay, fast eine Million Klicks — und mittendrin der bekannteste Bitcoin-Großinvestor der Welt. Michael Saylor, Mitgründer und Executive Chairman von Strategy, hat sich mit einem ungewöhnlich langen Text gegen einen geplanten Softfork positioniert. Der Streit um BIP-110 zeigt, wie tief die Bitcoin-Community in einer Grundsatzfrage gespalten ist.

Worum es bei BIP-110 geht

Der Vorschlag will für ein Jahr befristete Beschränkungen für datenlastige Transaktionen einführen — eine Art Anti-Spam-Regel. Hintergrund ist die Lockerung der OP_RETURN-Datenlimits durch Bitcoin Core in einer früheren Version. Saylors Kernargument: Konsensregeln könnten nicht beurteilen, ob eine gebührenzahlende Transaktion legitim sei. Wer unerwünschte Daten ablehnen wolle, könne das selbst tun, ohne das Protokoll zu ändern. Befürworter des Softforks halten dagegen, dass ungebremste Datenspeicherung Bitcoin von seiner eigentlichen Funktion als Geld wegbewege und Node-Betreiber unnötig belaste.

Die Zahlen sprechen bislang gegen einen schnellen Durchbruch der Änderung. Aktuell signalisieren nur 0,86 Prozent der Blöcke der laufenden Difficulty-Periode Unterstützung für BIP-110 — nötig für ein frühes Lock-in wären 55 Prozent. Schätzungen zur tatsächlichen Node-Unterstützung liegen zwischen 7 und 15 Prozent. Bleibt es bei diesem Niveau, drohen ab dem verpflichtenden Signalisierungsfenster um den 7. August Blockverwerfungen und im schlimmsten Fall eine Aufspaltung auf eine Minderheitskette, sobald die Regeln ab 1. September für zustimmende Nodes greifen.

Strategy selbst hält mit 843.775 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.476 Dollar die größte Unternehmensposition weltweit. Der aktuelle Bestandswert liegt bei 54,28 Milliarden Dollar — rund 9,4 Milliarden Dollar unter dem ausgewiesenen Einstandswert. Saylors ungewöhnlicher Vorstoß in eine Protokoll-Debatte dürfte auch vor diesem Hintergrund Beachtung finden.

Quantencomputer als langfristiges Risiko

Parallel zur Softfork-Debatte hält sich in der Bitcoin-Szene eine zweite, grundsätzlichere Sorge: Könnten Quantencomputer eines Tages die kryptografische Verschlüsselung von Bitcoin knacken? Experten geben hier vorsichtig Entwarnung für die nahe Zukunft. Die Bedrohung sei real, aber frühestens Anfang der 2030er Jahre technisch überhaupt denkbar — ausreichend Zeit für das Netzwerk, sich anzupassen.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, welche der beiden Lager im BIP-110-Streit die Oberhand behält. Sollte die Signalisierungsquote bis zum 7. August nicht deutlich steigen, wird eine Kettenspaltung zum realen Szenario — mit offenem Ausgang für die Marktreaktion.