Der Kryptomarkt startet mit Verlusten in den historisch schwächsten Monat des Jahres. Bitcoin notiert am Montagvormittag bei 62.540 US-Dollar, ein Minus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht hat sich der Verlust bereits auf mehr als vier Prozent aufsummiert — und drei Belastungsfaktoren wirken derzeit gleichzeitig.

ETF-Abflüsse und ein Hack bei Coldcard

Nach zwei ruhigeren Handelstagen zogen Anleger am Freitag wieder Geld aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs ab. Insgesamt flossen 265 Millionen US-Dollar heraus, den größten Anteil trug der iShares Bitcoin Trust von BlackRock mit rund 123 Millionen US-Dollar. Fidelitys FBTC folgte mit weiteren 54,8 Millionen US-Dollar.

Parallel sorgt eine Serie von Angriffen auf Coldcard-Hardware-Wallets für Nervosität. Über das Wochenende registrierten Sicherheitsforscher drei Angriffswellen, bei denen insgesamt 1.367 Bitcoin im Wert von rund 89 Millionen US-Dollar von 4.585 Wallet-Adressen entwendet wurden. Besonders unangenehm für den Markt: Cold Wallets galten bislang als sicherste Aufbewahrungsform — ein Sicherheitsleck bei einem etablierten Anbieter trifft damit einen wunden Punkt.

Der Clarity Act bleibt in der Warteschleife

Zusätzlich richtet sich der Blick der Anleger auf Washington. Der sogenannte Clarity Act, der Kryptowährungen einen klareren regulatorischen Rahmen geben soll, tauchte am Montag nicht auf dem veröffentlichten Sitzungsplan des Senats auf. Wettmärkte taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr auf lediglich 27 Prozent.

Die Zeit wird knapp: Ein sogenannter Cloture-Antrag müsste spätestens Mittwoch eingereicht werden, damit am Freitag über die Aufnahme des Gesetzgebungsverfahrens abgestimmt werden kann. Mit Beginn der Sommerpause des Senats am darauffolgenden Montag könnte sich die Entscheidung erneut verschieben — ein Unsicherheitsfaktor, der Marktteilnehmer vorsichtig hält, selbst wenn der Verfahrensschritt gelingen sollte.

August als Belastungstest

Bitcoin trifft mit dieser Ausgangslage auf seinen statistisch schwächsten Monat. Die kritische Unterstützungszone liegt bei 63.150 US-Dollar — darunter wartet eine Zone gehebelter Positionen, die den Kurs zügig in Richtung 62.000 US-Dollar drücken könnte. Ein Bruch dieser Marke würde den Blick auf das Tief bei 57.832 US-Dollar lenken.

Nicht alle Signale sind negativ. Wale haben im Juli rund 270.000 Bitcoin eingesammelt, während die Börsenbestände auf ihren niedrigsten Stand seit sieben Jahren gefallen sind — ein Muster, das in früheren Zyklen häufiger Bodenbildungen vorausging. Die nächsten externen Prüfsteine liefern die US-Inflationsdaten für Juli am 12. August und das FOMC-Meeting am 15. und 16. September. Bis dahin dürfte der Markt zwischen politischer Hängepartie in Washington und der Frage schwanken, ob die Akkumulation der großen Adressen die schwache Handelsaktivität kompensieren kann.