Aus dem Comeback ist nichts geworden. Bitcoin notiert am Donnerstag bei rund 73.000 Dollar — zeitweise war der Kurs bis auf 72.600 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit Mitte April. Gegenüber dem Zwischenhoch von über 81.000 Dollar in der ersten Maihälfte ist das ein Rückgang von mehr als zehn Prozent.
Makroökonomie setzt den Ton
Der entscheidende Treiber ist das Zinsumfeld. Steigende Anleiherenditen und die Erwartung höherer Leitzinsen machen den zinslosen Bitcoin unattraktiver. In der Eurozone wird eine EZB-Zinserhöhung im Juni mehrheitlich erwartet; in den USA ist eine Senkung vom Tisch, eine Anhebung im späteren Jahresverlauf nicht ausgeschlossen. Hinzu kommen eskalierende Spannungen im Nahen Osten: Das US-Militär hat nahe der Straße von Hormus eine iranische Stellung angegriffen, was die Risikobereitschaft der Anleger weiter dämpft.
Auch die Hoffnungen auf einen lockerungsfreundlichen Fed-Chef Kevin Warsh schwinden zunehmend — ein Faktor, der den Kryptomarkt zuletzt gestützt hatte.
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ETF-Abflüsse beenden Zufluss-Serie
Der Stimmungsumschwung zeigt sich am deutlichsten in den Kapitalflüssen. Abflüsse von 1,07 Milliarden Dollar aus Krypto-Anlageprodukten beendeten eine sechswöchige Zuflussreihe — und nahezu jede Region war betroffen. Aus den großen US-Spot-Bitcoin-ETFs von BlackRock, Fidelity und Grayscale sowie aus europäischen ETNs zog sich Kapital zurück. Im April hatte das Bild noch anders ausgesehen: Damals verzeichneten Bitcoin-ETNs Zuflüsse, bevor im Mai die Wende kam.
Seit Jahresbeginn hat Bitcoin damit rund 16 Prozent an Wert eingebüßt. Gemessen am Allzeithoch von fast 126.000 Dollar aus dem Oktober 2025 beläuft sich das Minus auf 42 Prozent.
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Bewertungslücke zu Tech-Aktien wächst
Bemerkenswert ist die zunehmende Entkopplung von US-Technologiewerten. Während der Nasdaq 100 gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis nahe historischen Höchstständen notiert, liegt Bitcoin beim sogenannten MVRV-Verhältnis — dem kryptoeigenen Pendant — noch unter seinem historischen Durchschnitt. Marktbeobachter werten das als mögliches Aufholpotenzial: Sollte die aktuelle Konzentration auf US-Large-Cap-Technologie nachlassen, könnte Bitcoin davon profitieren.
Kritisch bleibt die Marke von 70.000 Dollar. Fällt der Kurs darunter, dürfte der Derivatemarkt zusätzlichen Verkaufsdruck entfalten — eine Liquidationswelle wäre dann nicht auszuschließen. Ob das geopolitische Umfeld oder die Zinsentwicklung zuerst dreht, entscheidet über die Richtung der nächsten Wochen.
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