Leichte Gewinne, aber kein klares Signal — so lässt sich die aktuelle Bitcoin-Lage zusammenfassen. Der Markt bewegt sich nach oben, allerdings mit angezogener Handbremse.

Vorsicht vor dem Fed-Entscheid

Bitcoin handelt aktuell rund 1,3 Prozent fester bei etwa 66.500 Dollar. Die Bewegung klingt positiv, hat aber einen Haken: Ausgerechnet an der technisch bedeutsamen 38,2-Prozent-Fibonacci-Marke bei rund 66.400 Dollar stockt die Erholung. Hinzu kommt ein rückläufiges Volumen beim jüngsten Anstieg — ein klassisches Warnsignal.

Der eigentliche Bremsklotz ist die US-Notenbank. Am Mittwoch entscheidet die Fed über ihre Zinspolitik. Der Markt geht mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 100 Prozent davon aus, dass das Zielband bei 3,50 bis 3,75 Prozent bleibt. Allerdings preisen Händler mittelfristig steigende Zinsen ein: Für September liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung bereits bei rund 27 Prozent. Diese Perspektive drückt auf die Stimmung.

Der Fear-and-Greed-Index von CoinMarketCap notiert bei 25 — „Angst“ dominiert, wenngleich sich die Stimmung gegenüber der Vorwoche deutlich verbessert hat. Vor sieben Tagen lag der Wert noch bei 14 („extreme Angst“).

Liquidierungen und institutionelles Geschäft

Technisch gibt es durchaus bullische Unterstützung. Der Supertrend-Indikator drehte im Vier-Stunden-Chart bei rund 64.500 Dollar auf positiv, der Kurs liegt über der Ichimoku-Cloud. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren: Die entscheidende Frage ist, ob der Widerstand bei 66.400 Dollar nachhaltig überwunden wird — oder ob eine Abweisung Short-Squeezes auslöst.

Auf der Liquidierungsseite zeigt sich ein bullisches Bild. In den vergangenen 24 Stunden wurden Short-Positionen im Wert von rund 363 Millionen Dollar zwangsgeschlossen, gegenüber etwa 163 Millionen Dollar bei Longs. Das deutet darauf hin, dass spekulativ positionierte Bären derzeit stärker unter Druck stehen.

Institutionell sorgte Strategy Inc. mit einem Zukauf von 1.587 Bitcoin für rund 100 Millionen Dollar für Aufmerksamkeit — der Kauf liegt jedoch bereits hinter uns und ist in den Kursen verarbeitet. Die Gesamtposition des Unternehmens wächst damit auf 846.842 Bitcoin zu einem Einstandspreis von durchschnittlich rund 75.600 Dollar.

ETF-Flows gespalten

Bei den US-Bitcoin-Spot-ETFs setzte sich das zuletzt uneinheitliche Bild fort. Am Montag verzeichneten diese Produkte per saldo Abflüsse von 65 Millionen Dollar. Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) führte die Abflussliste mit 124 Millionen Dollar an, während BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) mit Zuflüssen von 66 Millionen Dollar gegenhielt. Parallel dazu baut Grayscale sein Index-Geschäft aus und besetzt dafür die neu geschaffene Führungsposition „Head of Index“ — ein Zeichen, dass das Unternehmen trotz Abflüssen an der strukturellen Entwicklung seiner Produktpalette festhält.

Der unmittelbare Kurstreiber liegt damit klar beim Fed-Entscheid am Mittwoch. Bestätigt Jerome Powell den Zinspause-Kurs und verzichtet auf hawkishe Signale für den Herbst, dürfte der Widerstand bei 66.400 Dollar erneut getestet werden. Ein deutlicheres Aufwärtssignal käme erst bei einem Schlusskurs über 68.000 Dollar.