Ein Londoner Taxifahrer erzählt Cardano-Anhängern, ihr Gründer trete zurück. Kontakte einer Partnerfirma tragen dieselbe Behauptung bis zu deren eigenem Geschäftsführer. Charles Hoskinson selbst nennt die Geschichte „eine komplette Erfindung“ — und musste in dieser Woche öffentlich reagieren, um sie zu stoppen.

„Kategorisch unwahr“

In einem Video vom 10. Juli weist Hoskinson die Rücktrittsgerüchte scharf zurück. Die Behauptungen seien „kategorisch unwahr“ und „eine komplette Lüge“, sagt er. Nötig wurde die Klarstellung, weil aus dem Zusammenhang gerissene Video-Ausschnitte weit über die Krypto-Community hinaus kursierten.

Die Erzählung vom Ausstieg baute sich über mehrere Monate auf. Ein Silvester-Stream, in dem Hoskinson sagte, er habe X „überwunden“ und übergebe den Account an Kuratoren, kursierte ohne seine ausdrückliche Klarstellung aus derselben Sitzung. Ein kurzer Post „Ich mache eine Pause. Bis dann“ wurde als Screenshot verbreitet, das dazugehörige Video fehlte.

Hinzu kam ein 26-minütiges Reformvideo, in dem Hoskinson die Governance-Struktur der Cardano Foundation kritisierte und Teile davon als größten Fehler seiner Karriere bezeichnete. Auch daraus kursierten Ausschnitte ohne seine begleitende Klarstellung. Am 9. Juli reagierte er mit einem direkten Widerspruch auf X und bat seine Unterstützer, das Video mit jedem zu teilen, der das Gerücht wiederhole.

Governance-Turbulenzen als Nährboden

Das Gerücht traf auf einen ohnehin unruhigen Moment im Cardano-Ökosystem. EMURGO verließ das Pentad-Governance-Gremium nach einem Wallet-Exploit — damit fiel eine der drei ursprünglichen Gründungssäulen aus der formalen Struktur heraus. Investor Justin Bons forderte zudem öffentlich, Hoskinson solle zurücktreten, was scharfe Kritik aus Teilen der Community auslöste.

Hoskinson nutzte die Gelegenheit, um die Grenzen seiner formalen Macht klarzustellen. Er besitzt keine Governance-Schlüssel, kann keinen Hard Fork oder Protokoll-Parameter allein anstoßen und hat keinen Zugriff auf die Treasury. Das Cardano-Markenrecht liegt ebenfalls nicht bei ihm. Seit dem Plomin-Hard-Fork im Januar 2025 liegen die zentralen Governance-Rechte bei den ADA-Haltern über DReps — Hoskinsons Einfluss ist seither strukturell und reputativ, nicht exekutiv.

Ungelöst bleibt daneben ein Finanzierungsstreit zwischen DReps und dem Forschungsbudget von Input Output. Hoskinson warnte, das Ökosystem könne Wissenschaftler verlieren, sollte die Finanzierung scheitern. Eine Governance-Reform zur Vertrauensbildung hat er angedeutet, einen konkreten Vorschlag aber noch nicht vorgelegt.

Kursreaktion bleibt verhalten

Der Markt reagierte auf die Klarstellung nur moderat. Am Freitag kletterte ADA zwischenzeitlich auf 0,1688 Dollar, ein Plus von 0,6 Prozent binnen 24 Stunden. Aktuell notiert die Kryptowährung bei 0,17 Dollar, nahezu unverändert zum Vortag.

Auf Wochensicht steht ein Plus von 3,1 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es lediglich 0,79 Prozent. Der Blick auf die längere Frist zeigt das eigentliche Problem: Seit Jahresbeginn hat ADA über die Hälfte seines Werts verloren, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 73,3 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1,01 Dollar aus dem August 2025 trennen den Token noch immer mehr als 83 Prozent.

Technisch bewegt sich ADA derzeit unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 0,18 Dollar und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,26 Dollar. Der RSI liegt bei 47,2 — ein neutraler Wert, der weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale liefert. Analysten verweisen auf ein ähnliches Divergenzmuster wie beim Tief vom 23. Juni, das damals einer Erholung von 35 Prozent voranging.

Blick nach vorn

Mit der Klarstellung zur Führungsfrage richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf die technische Roadmap. Das sogenannte Chang-Upgrade steht kurz vor dem Abschluss, ein wichtiger Meilenstein für das Netzwerk. Gelingt ADA der Sprung über die 10- und 20-Tage-EMAs, rückt als nächstes Ziel die 50-Tage-Linie in Reichweite.

Einige Marktbeobachter warnen allerdings, dass die Dynamik nachlassen könnte, sobald der Nachrichtenzyklus abklingt. Das MACD-Histogramm kühlt sich bereits ab, während der Indikator selbst sich der positiven Zone nähert — ein Muster, das nach abklingenden Gerüchten-Schlagzeilen häufiger zu einer Konsolidierung statt zu einem klaren Ausbruch führt.