Charles Hoskinson wird laut. Der Cardano-Gründer wirft Ethereum vor, zentrale Ideen aus dem Smart-Contract-Design von Cardano zu übernehmen, ohne dies zuzugeben. Der Streit trifft ADA in einer schwierigen Phase: Der Kurs kämpft seit Wochen nahe mehrjähriger Tiefs.

Der Auslöser: Ein Ethereum-Forschungspapier

Der Zündfunke kam von Toni Wahrstätter, Forscher bei der Ethereum Foundation. Er schlug native UTXOs vor – Zahlungsobjekte, die nur temporär existieren, statt dauerhafte Kontoeinträge zu erzeugen. Sein Argument: Ethereum könnte den permanenten Speicherbedarf für bestimmte Zahlungsprozesse um rund 99,8 Prozent senken.

Hoskinson reagierte scharf. In sozialen Medien schrieb er, es sei in Ethereums innerem Kreis quasi verboten, Cardano überhaupt zu erwähnen. EUTXO sei die größte Innovation der Smart-Contract-Welt, so Hoskinson – und Ethereum versuche nun, sie zu kopieren, ohne das zuzugeben. In einem anschließenden Livestream legte er nach: Ethereum verfolge zunehmend Technologien, an denen Cardano bereits seit 2016 arbeite. Dazu zählten laut Hoskinson etwa Reference Inputs und die Verbindung von UTXO-Funktionen mit kontobasierten Systemen.

Bemerkenswert dabei: Wahrstätters Vorschlag nennt Cardano oder dessen EUTXO-Modell an keiner Stelle. Stattdessen beruft er sich auf Bitcoins ursprüngliche UTXO-Struktur, kombiniert mit Ethereums kontobasiertem Rahmenwerk. Die Idee stammt laut Wahrstätter ursprünglich von Vitalik Buterin – passend zu dessen „Lean Ethereum“-Roadmap, die ebenfalls ein schlankeres Protokoll anstrebt.

Zweite Front: Der Streit ums Staking

Einen Tag später weitete Hoskinson die Kritik aus. Diesmal nahm er Ethereums Staking-Mechanismus ins Visier. Er bemängelte unnötige Fund-Lockups, Slashing-Risiken und Bonding-Perioden – Probleme, die liquide Staking-Lösungen wie Lido erst nötig gemacht hätten.

Cardano mache es besser, so Hoskinson. Nutzer behielten über den gesamten Staking-Prozess die volle Kontrolle über ihre ADA-Bestände. Sie könnten ihre Coins jederzeit ausgeben oder transferieren und trotzdem über den Ouroboros-Konsensmechanismus Rewards verdienen. Das mache Staking einfacher und zugänglicher für Alltagsnutzer. Hoskinson ging sogar noch weiter: Er sagte voraus, Ethereum werde langfristig auch Cardanos On-Chain-Governance, den Ouroboros-Konsens und das Treasury-System übernehmen.

Charttechnik zeigt erste Erholungssignale

Während der Wortwechsel eskalierte, deutete sich im Chart eine mögliche Bodenbildung an. ADA notiert aktuell bei 0,17 US-Dollar, ein Plus von rund einem Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 4,27 Prozent zu Buche, der 30-Tage-Trend zeigt mit 1,94 Prozent ebenfalls leicht nach oben.

Die Jahresbilanz bleibt davon unberührt: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 52,72 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 73 Prozent. Vom Rekordhoch bei 1,01 US-Dollar aus dem August 2025 trennen ADA noch immer mehr als 83 Prozent. Erst Ende Juni markierte der Token bei 0,14 US-Dollar ein neues 52-Wochen-Tief.

Genau dort setzt das technische Signal an, das Analysten aufhorchen lässt. Zwischen dem Tief vom 8. Juni und einem weiteren Kurstief rund drei Wochen später bildete sich eine bullishe Divergenz zwischen Kurs und RSI. Der Relative-Stärke-Index war beim Junitief auf 12,78 gefallen – ein extrem überverkauftes Niveau, das den massiven Verkaufsdruck der vergangenen Wochen widerspiegelt. Aktuell liegt der RSI bei 48,4, ADA notiert damit rund 8,4 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und gut 36 Prozent unter der 200-Tage-Linie.

Einordnung: Rhetorik statt Roadmap

Der Schlagabtausch reiht sich in eine ohnehin kämpferische Phase für Hoskinson ein. In den vergangenen Wochen warb er intensiv für das Leios-Skalierungsupgrade, musste sich zugleich aber Rückzugsforderungen aus Teilen der eigenen Community stellen.

Wichtig für die Einordnung: Wahrstätters Vorschlag ist bislang nur ein Entwurf, keine bestätigte Ethereum-Änderung. Jede größere Anpassung würde umfangreiche Prüfung, Tests und breite Unterstützung aus der Community benötigen. Für ADA-Anleger zählt am Ende weniger, wer welche Idee zuerst hatte. Entscheidender ist, ob sich Cardanos technische Erzählung nach der jüngsten Talfahrt in echte Marktdynamik übersetzen lässt.