Brian Armstrong wählt deutliche Worte. Der Coinbase-Chef ist überzeugt: Bitcoin hat den Tiefpunkt im aktuellen Vierjahreszyklus bereits durchlaufen. In einem Interview mit Bloomberg Television in Singapur sagte er, die Kryptowährung dürfte in den kommenden ein bis zwei Jahren wieder anziehen, mit Blick auf das nächste Halving-Ereignis.
Die Aussage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Bitcoin unter Druck steht. Der Kurs rutschte auf rund 78.000 Dollar ab, belastet durch den eskalierenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie steigende US-Anleiherenditen, die Risikoanlagen insgesamt schwächten.
Clarity Act als Weichenstellung
Neben der Kursprognose lenkte Armstrong den Blick auf die Regulierung. Der Clarity Act, der eine bundeseinheitliche Aufsicht für Digitalwerte zwischen SEC und CFTC festlegen soll, steht am 15. September vor einer prozeduralen Abstimmung im Senat. Armstrong zeigte sich zuversichtlich, dass die nötigen 60 Stimmen zusammenkommen – auch wenn Ethik-Vorgaben und Fragen zu Stablecoin-Erträgen noch verhandelt werden.
Sollte das Gesetz scheitern, sei das nach seiner Einschätzung kein Beinbruch: SEC und CFTC hätten bereits signalisiert, notfalls eigenständig klare Regeln zu veröffentlichen. Im Hintergrund tobt eine intensive Lobbyschlacht.
Die von Coinbase unterstützte Initiative Stand With Crypto meldete für August fast 50.000 Kontaktaufnahmen mit dem Kongress, während die Interessenvertretung der Gemeinschaftsbanken mit eigenen Kampagnen gegensteuert und vor allem bei Stablecoin-Zinsen Änderungen fordert.
Geschäft bleibt unter Druck
Losgelöst von der regulatorischen Debatte zeigen die Zahlen, warum Coinbase auf neue Standbeine setzt. Im zweiten Quartal fiel der Umsatz auf 1,2 Milliarden Dollar von 1,5 Milliarden Dollar im Vorjahr, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 359,5 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 1,43 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Es war das dritte Quartal in Folge, in dem Coinbase die Erwartungen der Wall Street verfehlte.
Rund die Hälfte des Umsatzes stammt weiterhin aus dem Handelsgeschäft, das laut Armstrong seit einem Jahr rückläufig ist – ein Grund für den Ausbau in Aktien, Rohstoffe, Devisen sowie Stablecoin- und Custody-Dienste.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 23 Prozent verloren. Armstrong führt einen Teil des Drucks direkt auf die schwache Handelsaktivität im Kryptomarkt zurück, verweist aber auf die internationale Expansion in Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten als Gegengewicht.
Für 2027 nannte Armstrong vier Wachstumsfelder mit besonders hoher Überzeugung: Stablecoin-Zahlungen, tokenisierte Aktien, Prognosemärkte und agentenbasierte Finanzdienste. Ob der Senat am 15. September tatsächlich die nötige Mehrheit für den Clarity Act zusammenbekommt, dürfte zeigen, wie schnell diese Pläne regulatorischen Rückenwind erhalten.
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