Am 29. Juni entscheidet eine Aktionärsabstimmung darüber, ob DeFi Technologies sein Nasdaq-Listing behält. Das Unternehmen kämpft gegen eine Compliance-Frist — obwohl die Bilanz mit rund 156 Millionen Dollar an Vermögenswerten eigentlich solide aussieht.

Der Countdown zur Frist

Im März 2026 informierte Nasdaq das Unternehmen, dass der Kurs 30 Handelstage in Folge unter der Mindestmarke von einem Dollar geblieben war. Das verstößt gegen Listing Rule 5550(a)(2). Bis zum 1. September 2026 muss die Aktie mindestens zehn aufeinanderfolgende Tage über einem Dollar schließen.

Die Lösung: ein Reverse Stock Split. Stimmen die Aktionäre am 29. Juni zu, hebt die Maßnahme den Kurs rechnerisch über die Schwelle. Ohne Zustimmung droht das Delisting. Eine zweite Compliance-Frist von 180 Tagen wäre theoretisch verfügbar — würde aber letztlich ebenfalls einen Reverse Split erfordern.

Das Problem liegt im aktuellen Kursniveau. Die Aktie notiert bei 0,54 Euro — rund 82 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2,98 Euro aus dem Juli 2025. Für zehn aufeinanderfolgende Schlusskurse über einem Dollar bräuchte es eine Kursrally von mehr als 80 Prozent. Ein Reverse Split löst das rechnerisch. Die Bewertungslücke zum Nettoinventarwert schließt er nicht.

Starke Zahlen, schwacher Kurs

Der Widerspruch ist auffällig. Für das erste Quartal 2026 meldete das Unternehmen Einnahmen von 11,2 Millionen Dollar und einen Nettogewinn von 4,9 Millionen Dollar. Die Liquiditätslage verbesserte sich deutlich: Das positive Working Capital stieg auf 47,3 Millionen Dollar, nachdem es Ende 2025 noch negativ war.

Die Asset-Management-Tochter Valour verwaltet mittlerweile mehr als 550 Millionen Dollar in 102 digitalen Exchange-Traded Products. Allein im April flossen netto 14,6 Millionen Dollar zu. Die Gebühreneinnahmen bei Valour stiegen um 51 Prozent auf 9,7 Millionen Dollar. Der hauseigene Trading-Desk Stillman Digital steuerte weitere 2,9 Millionen Dollar bei.

Regulatorischer Schatten und institutionelle Offensive

Belastend wirkt ein Vorfall aus dem April: Die Ontario Securities Commission verhängte vorübergehend ein Handelsverbot gegen das Management, weil das Unternehmen die Einreichungsfrist für den Jahresabschluss verpasst hatte. Als Begründung nannte DeFi Technologies einen ausstehenden Prüfbericht. Alle fehlenden Dokumente wurden inzwischen nachgereicht.

Parallel versucht das Unternehmen, institutionelles Kapital anzuziehen. Die hauseigene Veranstaltungsreihe wurde zur „DeFi Technologies Capital Market Series“ umbenannt. Das erste Event fand im Juni an der kanadischen Botschaft in London statt. Außerdem holte das Unternehmen im Mai Russell Starr als strategischen Berater zurück — er war früher CEO und hatte das Nasdaq-Listing begleitet.

Die Abstimmung am 29. Juni wird zeigen, ob Aktionäre dem Unternehmen die Zeit kaufen, die seine Fundamentaldaten eigentlich rechtfertigen würden.