Ein Unternehmen mit positivem Nettogewinn, 156 Millionen Dollar an liquiden Mitteln und einer Aktie, die 85 Prozent unter ihrem Jahreshoch dümpelt. Bei DeFi Technologies klaffen operative Zahlen und Börsenrealität derzeit weit auseinander. Neue Governance-Regeln sollen nun für mehr Stabilität sorgen.

Neue Satzung, klare Mehrheiten

Am 6. Juli 2026 vermeldete DeFi Technologies das Ergebnis seiner Jahreshauptversammlung. Die Aktionäre bestätigten Änderungen an der bestehenden Satzung und verabschiedeten eine neue Vorabmeldepflicht für Aktionärsanliegen. Diese sogenannte Advance Notice By-Law erschwert es künftig, Kandidaten für den Vorstand außerhalb der Managementliste zu nominieren.

Alle sechs vom Management vorgeschlagenen Direktoren wurden gewählt. Die Zustimmungswerte lagen zwischen 75 und 95 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Wiederbestellung der Wirtschaftsprüfer erhielt 92,276 Prozent Zustimmung, bei einer Beteiligung von rund 31,77 Prozent aller ausstehenden Stammaktien.

Kombiniert mit der Wiederbestellung der Prüfer und der kompletten Vorstandsriege signalisiert der Umbau einen Versuch der Führung, die Unternehmensstruktur zu festigen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die Aktie steht unter erheblichem Druck.

Der Kurs bleibt der wunde Punkt

Am Freitag schloss die Aktie bei 0,44 Euro, ein Plus von 1,81 Prozent auf Tagessicht. Das täuscht über die längerfristige Entwicklung hinweg: Auf Wochensicht steht ein Minus von 9,17 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 41,39 Prozent, über zwölf Monate sogar 82,56 Prozent Verlust. Der Titel notiert damit nur noch 6,73 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 0,41 Euro, erreicht am 8. Juli 2026 — und liegt 85,28 Prozent unter dem Hoch von 2,98 Euro vom vergangenen Juli.

Die technische Lage bestätigt das Bild der Schwäche. Der Kurs liegt 17,08 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,53 Euro und 47 Prozent unter der 200-Tage-Linie von 0,83 Euro. Der RSI von 39,4 zeigt: Überverkauft ist die Aktie noch nicht. Die annualisierte Volatilität von 66,73 Prozent unterstreicht trotzdem das erhöhte Risiko, das an dem Papier hängt.

Mehrere Faktoren drücken parallel auf den Kurs. Im März 2026 erhielt DeFi Technologies eine Nasdaq-Complianceverwarnung wegen eines Aktienkurses unter einem Dollar. Hinzu kommt eine laufende Sammelklage sowie der breitere Ausverkauf bei Krypto-Aktien insgesamt. Beides schafft reales Delisting- und Prozessrisiko für Investoren.

Die operativen Zahlen sprechen eine andere Sprache

Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete das Unternehmen 11,2 Millionen Dollar Umsatz und einen Nettogewinn von 4,9 Millionen Dollar. Die Kernbetriebserträge lagen bei 6,3 Millionen Dollar, die operativen Gesamtkosten bei 11,4 Millionen Dollar. Zum 31. März 2026 hielt DeFi Technologies rund 156 Millionen Dollar in bar, Stablecoins, digitalen Vermögenswerten und Venture-Beteiligungen.

Das Working Capital drehte auf plus 47,3 Millionen Dollar — nach minus 5,1 Millionen Dollar Ende 2025. Ein deutlicher Turnaround also, der in der Kursentwicklung bislang keine Rolle spielt.

Zwei Geschäftsbereiche trugen die Ergebnisse. Valour, der ETP-Emissionsarm des Konzerns, erzielte 3,3 Millionen Dollar aus Management-, Staking- und Kreditgeschäften bei durchschnittlich 533,6 Millionen Dollar verwaltetem Vermögen. Die Handelseinheit Stillman Digital, spezialisiert auf OTC-Liquidität und Market-Making bei digitalen Assets, steuerte 2,9 Millionen Dollar an Handelskommissionen bei.

Die neue Advance-Notice-Regel dürfte es Aktivisten künftig schwerer machen, das Board herauszufordern. Ob das reicht, um das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen, hängt am Ende von der Nasdaq-Compliance und dem Ausgang der laufenden Sammelklage ab.