Ethereum hat innerhalb einer Woche eine der stärksten Rallyes des Jahres hingelegt. Getrieben von massiven ETF-Zuflüssen und einer Serie von Zwangsliquidationen bei Short-Positionen kletterte die Kryptowährung zeitweise über die Marke von 2.500 Dollar. Aktuell notiert Ethereum bei 2.417,00 Dollar, ein Plus von 28 Prozent auf Wochensicht.
ETF-Nachfrage als Preistreiber
Ausschlaggebend für die Bewegung waren kräftige Zuflüsse in US-Spot-ETH-ETFs. In der Woche bis zum 21. August verzeichneten diese Fonds laut Marktdaten des Blockchain-Analysehauses The Block Nettozuflüsse von rund 697 Millionen Dollar – der größte Wochenwert seit Oktober 2025. Zusammen mit den parallel laufenden Bitcoin-ETFs summierten sich die Zuflüsse auf 2,6 Milliarden Dollar.
Besonders auffällig: An einzelnen Handelstagen wie dem 20. August flossen laut Berichten allein an diesem Tag mehr als 220 Millionen Dollar in Ethereum-Produkte.
Diese Nachfrage traf auf einen Markt, der zuvor stark auf fallende Kurse gewettet hatte. Die Folge war ein ausgeprägter Short-Squeeze: Marktweit wurden binnen 24 Stunden Short-Positionen im Umfang von mehreren Milliarden Dollar liquidiert, ein erheblicher Teil davon in Ethereum-Kontrakten.
Ein besonders spektakulärer Fall ereignete sich auf der Derivateplattform Hyperliquid, wo ein Händler mit dem Namen „pension-usdt.eth“ am 20. August innerhalb von zwölf Sekunden eine Short-Position über 50.000 ETH verlor – ein Schaden von 24 Millionen Dollar. Der Trader hatte im Jahresverlauf zuvor rund 49 Millionen Dollar mit Short-Wetten verdient.
Regulatorisches Umfeld begünstigt die Rally
Politische und geldpolitische Faktoren verstärkten die Bewegung zusätzlich. Das US-Finanzministerium kündigte an, langfristige Anleiherückkäufe auszuweiten, was die Renditen drückte und Risikoanlagen attraktiver machte. Zugleich drängt US-Präsident Donald Trump den Kongress, den sogenannten CLEAR Act zu verabschieden, der Bitcoin als Rohstoff regulieren soll.
Eine Abstimmung dazu ist für den 15. September angesetzt. Die US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichte zudem am 18. August einen neuen Regulierungsvorschlag für Krypto-Assets, der Emittenten unter bestimmten Bedingungen Registrierungsbefreiungen einräumen soll. SEC-Chef Paul Atkins erklärte, die Regel solle für mehr Marktklarheit sorgen; die Konsultationsfrist läuft 60 Tage.
Whale-Bewegungen zeigen gemischtes Bild
Nicht alle Marktteilnehmer reiten die Welle in dieselbe Richtung. Berichten zufolge trennten sich zwei große Wallet-Inhaber von Ethereum-Beständen im Wert von zusammen rund 63 Millionen Dollar, während eine als „Seven Siblings“ bezeichnete Gruppe ebenfalls Gewinne realisierte. Andere Großinvestoren bauten dagegen Positionen auf.
Ein mit Matrixport in Verbindung gebrachtes Wallet schloss eine Position von 40.000 ETH mit einem Gewinn von 9,9 Millionen Dollar, hält aber weiterhin rund 80.000 ETH sowie 500 Bitcoin. Diese Divergenz spiegelt die Unsicherheit wider, ob die aktuelle Nachfrage aus dem Spotmarkt stark genug ist, um das Angebot dauerhaft zu absorbieren.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt: Der Relative-Stärke-Index steht bei 77,1 und signalisiert eine überkaufte Situation. Ethereum notiert damit rund 27 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.907,22 Dollar – ein Abstand, der die Dynamik der jüngsten Rally unterstreicht, gleichzeitig aber auch das Risiko einer Gegenbewegung erhöht. Analysten verweisen als nächste Widerstandsmarke auf die runde Marke von 3.000 Dollar, sollte die ETF-Nachfrage anhalten.
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