Neue Ethereum-Validatoren müssen trotz geplanter Erleichterungen bei Ausstiegen weiter auf ihre Aktivierung warten. Gestern standen Medienberichten zufolge mehr als 1,28 Millionen ETH in der Eintrittswarteschlange. Die geschätzte Wartezeit betrug 22 Tage und 6 Stunden.

Der Änderungsvorschlag EIP-8061 könnte Ausstiege beschleunigen, würde den Engpass beim Einstieg aber nicht beseitigen. Für Anleger bedeutet das: Eingezahltes Kapital erwirtschaftet nicht sofort native Staking-Erträge.

Schnellere Ausstiege lösen den Einstiegsengpass nicht

EIP-8061 befand sich gestern in der abschließenden Kommentierungsphase. Deren Frist endet am 1. November. Der Vorschlag würde die feste Obergrenze für Ausstiege aufheben und die verfügbare Kapazität stattdessen an den aktiven Stake koppeln. Eine Umsetzung ist damit noch nicht beschlossen.

Die Eintrittskapazität bliebe dagegen auf 256 ETH je Epoche von 6,4 Minuten begrenzt. Eine höhere Kapazität für aussteigende Validatoren würde deshalb nicht automatisch neue Plätze für Einzahler schaffen.

Diese Unterscheidung ist für die Renditeplanung entscheidend. Direkte Einzahler erhalten während der Aktivierungswartezeit keine nativen Staking-Rewards. Wer ausschließlich auf eine ausgewiesene Jahresrendite schaut, berücksichtigt diese ertragslose Anfangsphase nicht. Schnellere Ausstiege wären zwar eine Verbesserung beim Zugang zum eingesetzten Kapital. Den verzögerten Beginn der Ertragsphase würden sie aber nicht verändern.

Neue Zugänge verändern nicht die Netzwerkgrenzen

Parallel erweitert sich der Zugang zum Ethereum-Staking. Interactive Brokers kündigte am Dienstag ein Angebot für berechtigte Kunden über sein Client Portal an. Die Infrastruktur liefert zerohash. Rewards werden in ETH gutgeschrieben und können während des Stakings aufgezinst werden. Eine konkrete Staking-Gebühr oder garantierte Rendite nannte Interactive Brokers nicht.

Der bequemere Zugang beseitigt allerdings weder die Wartezeiten des Netzwerks noch die Risiken des Verfahrens. Gestaktes ETH ist nicht sofort verkäuflich oder übertragbar. Zudem besteht ein Slashing-Risiko. Handelsprovisionen und Staking-Gebühren sind getrennte Kostenpositionen und dürfen bei der Bewertung des Angebots nicht gleichgesetzt werden.

Auch auf der Ausstiegsseite bestanden Mitte Oktober erhebliche Wartezeiten: Rund 962.000 ETH warteten auf einen Exit. Die geschätzte Dauer lag bei knapp 17 Tagen, noch vor weiteren Auszahlungsschritten.

Liquid Staking bietet einen anderen Zugang

Lido startete gestern eine direkte Staking-Route von Arbitrum, Base, Linea und Optimism. Nutzer erhalten dabei wstETH aus einem lokalen Liquiditätspool auf dem jeweiligen Ausgangsnetzwerk. Das eingezahlte ETH gelangt im Hintergrund zum Ethereum-Mainnet und wird dort gestakt.

Ein Liquid-Staking-Pool kann neuen Haltern Zugang zu Rewards bereits aktiver Validatoren ermöglichen. Das unterscheidet ihn vom direkten Einstieg mit anschließender Aktivierungswartezeit. Die technische Vereinfachung bringt jedoch zusätzliche Smart-Contract-, Bridge- und Liquiditätsrisiken mit sich.

Für Ethereum-Anleger stehen damit unterschiedliche Zugangswege zur Wahl, aber keine risikofreie Abkürzung. Entscheidend sind nicht allein die möglichen Rewards. Ebenso wichtig sind der Beginn der Ertragsphase, die Verfügbarkeit des Kapitals und die zusätzlichen Risiken des gewählten Zugangs.