Während sich der Ethereum-Kurs mühsam aus einem historisch schwachen Handelsjahr kämpft, vollzieht die Organisation hinter dem Netzwerk einen tiefgreifenden Wandel. Die Ethereum Foundation hat ihren monatelangen Umbau abgeschlossen – mit neuer Struktur, neuer Führung und einem deutlichen Stellenabbau. Für Anleger stellt sich die Frage, ob diese Reform dem Vertrauen in ETH langfristig hilft oder zunächst für Unsicherheit sorgt.

Fünf Cluster, weniger Personal

Die Stiftung teilt sich künftig in fünf fachliche Bereiche auf: Protokollentwicklung, Nutzerzugang, Anwendererfahrung, Community-Arbeit und eine neue institutionelle Schicht für die Zusammenarbeit mit Banken und Behörden. Parallel dazu trennte sich die Foundation von 54 Beschäftigten, rund einem Fünftel der Belegschaft. Die Führungsebene hatte zuvor bereits mehrfach gewechselt – nach dem Rücktritt der bisherigen Co-Executive Directors leitet aktuell Bastian Aue die operativen Geschäfte interimistisch.

Ethereum-Gründer Vitalik Buterin hatte ein engeres Mandat für die Stiftung skizziert: weniger direkte Projektumsetzung, mehr Fokus auf kritische Infrastruktur und Forschung. Ob diese Neuausrichtung das Netzwerk technologisch stärkt oder Entwicklungskapazität kostet, dürfte sich erst über mehrere Quartale zeigen.

Kurs kämpft mit Glamsterdam-Verzögerung

Auf der Marktseite bleibt die Lage angespannt. ETH notiert bei rund 1.920 Dollar – etwa 61 Prozent unter dem Allzeithoch von 4.953 Dollar aus dem August 2025. Damit hat Ethereum drei Quartale in Folge mit Verlusten abgeschlossen, eine Serie ohne Vorbild in der Handelsgeschichte des Coins.

Für zusätzlichen Dämpfer sorgte die Verschiebung des Glamsterdam-Upgrades auf das dritte Quartal 2026, nachdem der ursprüngliche Juni-Termin nicht zu halten war. Das Update soll das Gas-Limit pro Block von 60 auf 200 Millionen anheben und den Durchsatz der Basisschicht deutlich erhöhen. Immerhin gibt es auch positive Signale: Spot-Ethereum-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 11. Juli Zuflüsse von 84,42 Millionen Dollar – die erste positive Woche nach acht Wochen ununterbrochener Abflüsse.

Technisch hat ETH den 50-Tage-EMA bei 1.801 Dollar zurückerobert, der 200-Tage-EMA bei 2.242 Dollar markiert die nächste Hürde. Die Marktkapitalisierung liegt bei 232 Milliarden Dollar. Zusätzliche institutionelle Aufmerksamkeit brachte der Start von Ethereum Institutional am 1. Juli, einer von Mitgründer Joe Lubin unterstützten Anlaufstelle für Banken und Vermögensverwalter.

Die kommenden Monate bringen zwei parallele Entwicklungslinien zusammen: die praktische Bewährungsprobe der neuen Foundation-Struktur und die technische Umsetzung von Glamsterdam im dritten Quartal. Erst wenn beides sichtbare Ergebnisse liefert, dürfte sich zeigen, ob die Kursschwäche der vergangenen drei Quartale tatsächlich überwunden ist.