Während sich die Ethereum Foundation gerade radikal verschlankt, füllen große Adressen ihre Bestände nach. Diese Gegensätzlichkeit prägt aktuell das Bild von ETH — ein angeschlagenes Chartbild trifft auf ungebrochene Kaufbereitschaft institutioneller Halter.

Sparkurs bei der Stiftung

Die Ethereum Foundation kündigte am 23. Juni einen tiefgreifenden Umbau an. 54 Stellen fielen weg, rund 20 Prozent der Belegschaft. Das Budget sinkt um 40 Prozent. Seit Januar haben neun führende Köpfe die Organisation verlassen, darunter beide Co-Direktoren.

Künftig soll die Stiftung nur noch etwa 5 Prozent ihres Vermögens pro Jahr ausgeben — deutlich weniger als bisher. Parallel entstand mit Ethlabs eine neue, unabhängige Organisation, getragen von großen ETH-Haltern. In der Branche wird dieser Schritt teils als Zeichen eines reifenden Ökosystems gewertet, das weniger von der Stiftung abhängt.

Kurs bleibt unter Druck

Der Markt reagiert bislang verhalten. ETH notiert nahe 1.560 Dollar und damit rund 68 Prozent unter dem Allzeithoch von fast 4.950 Dollar aus dem August 2025. Am 26. Juni fiel der Kurs zeitweise auf 1.512 Dollar, den bisherigen Jahrestiefpunkt.

Der RSI liegt bei 29 und signalisiert überverkaufte Bedingungen. Die Unterstützung zwischen 1.500 und 1.600 Dollar hält bislang. Ein Schlusskurs über 1.708 Dollar würde eine Erholung Richtung 1.865 Dollar bestätigen. Spot-ETFs verzeichneten unterdessen sieben Wochen in Folge Abflüsse von fast einer Milliarde Dollar — ein Kontrastpunkt zur Whale-Aktivität.

Genau hier liegt die Spannung: Während institutionelle Fondsprodukte Kapital abziehen, bauen einzelne Großadressen ihre Direktbestände aus. SharpLink erweiterte seine Position zuletzt binnen vier Tagen um rund 39.000 ETH für 62 Millionen Dollar. BitMine kontrolliert inzwischen etwa 5,7 Millionen ETH, umgerechnet fast 9 Milliarden Dollar. Arkham identifizierte zudem zwei Wallets, die am 24. Juni zusammen 58,8 Millionen Dollar in ETH von den Börsen Kraken und Bitgo abzogen — ein typisches Muster für langfristige Akkumulation abseits der Börse.

Nicht jede Bewegung zeigt in dieselbe Richtung: Vier seit 2018 inaktive Wallets mit ursprünglich 37.602 ETH wachten auf und verkauften über 33.000 Token.

Kursziele weit auseinander

Bei den Prognosen zeigt sich ein deutlicher Spread. Changelly sieht ETH bis Ende 2026 bei 2.303 Dollar, CoinCodex bei 2.341 Dollar — beide deutlich über dem aktuellen Niveau. Standard Chartered geht für den laufenden Zyklus deutlich weiter und nennt eine Spanne von 7.000 bis 9.000 Dollar als langfristiges Ziel.

Der Angst-und-Gier-Index steht bei 11 und damit tief in der Extremangst-Zone. Ob sich die Whale-Käufe als frühzeitiges Signal für eine Bodenbildung erweisen oder der Sparkurs der Foundation zunächst weiter auf die Stimmung drückt, dürfte sich an der 1.708-Dollar-Marke entscheiden — dem nächsten technischen Prüfstein für die Erholung.