Ethereum steckt mitten in einem Spannungsfeld. Das größte Layer-1-Upgrade seit Jahren verschiebt sich, während institutionelle Anleger ETH in einem Tempo akkumulieren, das selbst Bitcoin-Phasen vergleichbarer Art übertrifft. Der Kurs spiegelt das bislang nicht wider.

Glamsterdam rutscht in Q3 2026

Die Ethereum Foundation hat bestätigt: Das Glamsterdam-Upgrade kommt nicht mehr im Juni. Der neue Zielkorridor ist das dritte Quartal 2026.

Das Upgrade ist technisch das ambitionierteste seit Jahren. Es führt Enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS) und Block-Level Access Lists ein. Beides ermöglicht parallele Transaktionsverarbeitung. Das Ziel ist ein Durchsatz von bis zu 10.000 Transaktionen pro Sekunde.

Das Gas-Limit soll schrittweise steigen. Zunächst auf 100 Millionen pro Block, dann auf 200 Millionen, sobald ePBS vollständig läuft. Zum Vergleich: Aktuell liegt das Limit bei rund 60 Millionen.

Glamsterdam ist der dritte Hard Fork innerhalb eines Jahres. Die Vorgänger Pectra und Fusaka, die im Mai und Dezember 2025 ausgerollt wurden, zielten vor allem auf Layer-2-Skalierung. Glamsterdam greift erstmals direkt in die Basisschicht ein. Devnets laufen seit Ende Mai stabil, und die Arbeit am nächsten Upgrade namens Hegotá läuft parallel bereits an.

Ein Risiko bleibt: Das Base-Engineering-Team hat öffentlich gewarnt, dass die Aufnahme von FOCIL neben ePBS das Upgrade über 2026 hinaus verzögern könnte.

Lido V3 öffnet institutionellen Zugang

Während Glamsterdam auf sich warten lässt, macht die Staking-Infrastruktur Fortschritte. Lido V3 erweitert seit Mitte Juni 2026 das institutionelle Staking — mit neuen Vaults, die gemeinsam mit Luganodes entwickelt wurden.

Das Kernstück sind sogenannte stVaults. Sie trennen die Validatorauswahl von der Liquiditätsbereitstellung. Damit können Nutzer ihre Staking-Strategie individuell gestalten und behalten gleichzeitig Zugang zu stETH-Liquidität. Über-besicherte Vaults sollen Strafzahlungen abfedern und stETH auch in volatilen Märkten einlösbar halten.

Lido kündigte das Staking Router v3-Upgrade am 3. Juni 2026 an. Ende Juni stimmen LDO-Inhaber per Snapshot-Vote darüber ab. Audits laufen und sollen Anfang Juli abgeschlossen sein. Das Mainnet-Deployment ist für denselben Monat geplant.

Institutionelle Nachfrage trifft schwachen Kurs

Die Zahlen auf der Nachfrageseite sind bemerkenswert. Unternehmenstresuries und Spot-ETFs halten zusammen rund 3,8 Prozent aller im Umlauf befindlichen Ether. Treasury-Firmen allein kauften in gut zwei Monaten rund 2,3 Millionen ETH — ein Tempo, das vergleichbare Bitcoin-Akkumulationsphasen fast verdoppelt.

Standard Chartered hält trotzdem an einem Langfristkursziel von 40.000 US-Dollar fest. Die Bank verweist auf Ethereums dominante Stellung im Stablecoin-Markt: Mehr als die Hälfte aller Stablecoins läuft auf Ethereum, das Netzwerk generiert rund 40 Prozent aller Blockchain-Gebühren weltweit.

Der aktuelle Kurs erzählt eine andere Geschichte. ETH notiert bei rund 1.793 US-Dollar — rund 64 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von fast 4.946 Dollar aus dem August 2025. Auf Jahressicht liegt das Minus bei über 40 Prozent.

Regulatorisch bleibt die Lage gemischt. Der GENIUS Act für Stablecoins passierte im Juli 2025, die ETH-Klassifizierung durch SEC und CFTC wurde im März 2026 geklärt. Allerdings steckt der umfassendere Clarity Act im Kongress fest, und die steuerliche Behandlung von Staking-Erträgen ist weiterhin offen.

Der Governance-Vote bei Lido Ende Juni und der Fortschritt der ePBS-Devnets werden in den nächsten Wochen zeigen, ob das technische Fundament schneller wächst als der Markt es honoriert.