Strategy hat in der Woche vom 22. bis 28. Juni 2026 keinen einzigen Bitcoin gekauft. Das ist bemerkenswert — denn gleichzeitig flossen über eine Milliarde Dollar frisches Kapital ins Unternehmen.

Aktien verkauft, Bitcoin nicht angerührt

Strategy verkaufte in diesem Zeitraum rund 12,7 Millionen Class-A-Aktien und erzielte dabei Nettoerlöse von 1,15 Milliarden Dollar. Das Geld floss nicht in Bitcoin. Es landete in der Dollarreserve.

Die Bitcoin-Bestände blieben bei 847.363 BTC — unverändert gegenüber der Vorwoche. Der durchschnittliche Einstandspreis liegt bei 75.651 Dollar je Bitcoin. Das ergibt einen Gesamtbuchwert von 64,1 Milliarden Dollar.

Liquidität vor Akkumulation

Der Grund für die Pause ist strukturell. Der Vorstand hat eine Mindestliquiditätspolitik beschlossen. Die Dollarreserve muss mindestens zwölf Monate an Dividenden- und Zinszahlungen abdecken.

Ende Juni stand die Reserve bei 2,55 Milliarden Dollar. Das entspricht rund 17,4 Monaten Deckung — bei jährlichen Verpflichtungen von etwa 1,76 Milliarden Dollar. Die Reserve darf ausschließlich für Vorzugsdividenden und Schuldzinsen genutzt werden, sofern der Vorstand nichts anderes beschließt.

Das ändert die Erzählung. Strategy war bislang als reines Bitcoin-Akkumulationsvehikel bekannt. Jetzt rückt aktives Kapitalmanagement in den Vordergrund.

Neue Werkzeuge für die Bilanz

Das SEC-Filing vom 29. Juni enthält weitere Neuerungen. Strategy hat zwei Rückkaufprogramme autorisiert: je bis zu einer Milliarde Dollar für digitale Kreditpapiere und für Class-A-Aktien. Beide Programme laufen ohne festes Enddatum und verpflichten das Unternehmen zu keinen konkreten Rückkäufen.

Hinzu kommt ein Bitcoin-Monetarisierungsprogramm. Erstmals hat der Vorstand formal genehmigt, dass Strategy Bitcoin verkaufen darf — für drei definierte Zwecke: zur Aufstockung der Dollarreserve auf bis zu 1,25 Milliarden Dollar, zur Finanzierung von Dividenden- und Zinszahlungen sowie zur Finanzierung genehmigter Rückkäufe. Verkäufe außerhalb dieser Zwecke erfordern erneut einen Vorstandsbeschluss.

Kurs stabilisiert sich nahe dem Jahrestief

Die Aktie notiert aktuell bei 77,12 Euro, ein Plus von 1,46 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Erholung ist bescheiden. Über sieben Tage liegt das Minus bei 7,2 Prozent, über 30 Tage bei über 40 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 42 Prozent verloren.

Das 52-Wochen-Tief von 71,91 Euro datiert auf den 26. Juni 2026 — also vor wenigen Tagen. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 391,80 Euro beträgt über 80 Prozent.

Für Stammaktionäre ist die Lage heikel. Neue Aktien wurden in einen schwachen Markt verkauft. Das verwässert bestehende Positionen. Ob der Reserveaufbau als Stärke oder als Defensivreflex gewertet wird, dürfte die Kursentwicklung der kommenden Wochen prägen.