Die Hoffnung auf einheitliche gesetzliche Leitplanken für den US-Kryptomarkt hat sich vorerst zerschlagen. Im US-Senat verfehlte der Digital Asset Market Clarity Act mit 50 zu 49 Stimmen die notwendige Hürde von 60 Stimmen für eine Debatte. Damit rutscht die Krypto-Branche in den Vereinigten Staaten zurück in eine Phase rechtlicher Unsicherheit, die die Expansionspläne börsennotierter Digital-Asset-Konzerne auf Monate lähmt.
Zerwürfnis über Ethikregeln und Stablecoins
Der Gesetzentwurf sollte klare Zuständigkeiten zwischen der Wertpapieraufsicht SEC und der Rohstoffaufsicht CFTC schaffen. Ein zentrales Ziel war es, verbindlich festzulegen, wann ein digitaler Token als Rohstoff und wann als Wertpapier gilt. Frühere Etappen hatte das Vorhaben noch gemeistert: Im US-Repräsentantenhaus passierte es mit 294 zu 134 Stimmen, im Senats-Bankenausschuss mit 15 zu 9 Stimmen.
Letztlich scheiterten die Verhandlungen an strittigen Kernpunkten. Demokratische Senatoren forderten schärfere Vorgaben zu Krypto-Beteiligungen von Politikern, insbesondere mit Blick auf geschäftliche Aktivitäten von Donald Trump. Parallel dazu forderte der Bankensektor Schranken für Verzinsungsmodelle bei Stablecoins, um Einlagenabflüsse zu verhindern. Selbst ein überarbeiteter Entwurf mit zusätzlichen Kontrollrechten für das Finanzministerium fand keine Mehrheit.
Coinbase und Circle unter Abgabedruck
Die Enttäuschung an den Märkten folgte unmittelbar nach dem Votum. Der Bitcoin-Kurs gab um vier Prozent auf rund 76.011 Dollar nach. Besonders hart traf es jedoch Unternehmen, deren Geschäftsmodelle unmittelbar von klar definierten Rechtsnormen abhängen.
Die Aktie der Handelsplattform Coinbase verlor im regulären Handel 10,1 Prozent auf 172,11 Dollar. Ohne ein Bundesgesetz trägt jede Ausweitung in Bereiche wie Verwahrung, Staking oder Kreditvergabe erhebliche Klagerisiken. Beim Stablecoin-Emittenten Circle fiel das Minus mit 11,4 Prozent auf 86,30 Dollar noch deutlicher aus. Dort blockiert der unklare Status ertragsbringender Stablecoins zentrale Teile der künftigen Ertragsstrategie.
Vergleichsweise glimpflich reagierte das Softwareunternehmen Strategy mit einem Abschlag von 5,4 Prozent auf 129,60 Dollar. Für reine Halter von Bitcoin ist der Gesetzentwurf weniger entscheidend, da der Rohstoffstatus von Bitcoin als weitgehend gefestigt gilt.
Regulierung verlagert sich auf die Behörden
Da die Kongresswahlen im November bevorstehen, rechnen Marktbeobachter frühestens im ersten Quartal 2027 mit einem erneuten legislativen Vorstoß. Die Regulierung verlagert sich nun vollständig auf SEC und CFTC über nachgelagerte Behördenregeln. Solche Richtlinien bieten Unternehmen jedoch weniger Rechtssicherheit als ein Bundesgesetz und lassen sich bei einem Regierungswechsel rasch kippen.
Erschwerend kommt das geldpolitische Umfeld hinzu: Am heutigen Mittwochabend entscheidet die US-Notenbank Federal Reserve über die Leitzinsen. Eine Anhebung um 25 Basispunkte gilt mit einer Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent als eingepreist. Neben der verpassten Regulierungschance rückt damit direkt der weitere Zinspfad ins Blickfeld der Anleger.
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