Vanguard blockierte 2024 noch den Handel mit Spot-Bitcoin-ETFs auf seiner Plattform. Jetzt sucht der Vermögensverwalter aktiv nach seinem ersten „Head of Digital Assets“. Der Kurswechsel eines der konservativsten Namen der Branche wirft Fragen auf.
Berichte vom 8. und 9. Juli 2026 zeigen: Vanguard will eine neue Führungsposition für digitale Vermögenswerte schaffen. Die Person soll die Strategie und Umsetzung rund um Tokenisierung, Stablecoins, digitale Wallets und blockchain-basierte Abwicklungssysteme verantworten. Das geht deutlich über den Dezember 2025 gestarteten Zugang zu Krypto-Fonds Dritter hinaus.
Vom Verweigerer zum Mitgestalter
Der neue Posten soll Vanguard auch in Gesprächen mit Regulierungsbehörden und Branchengruppen vertreten. Der Verwalter von zwischen 10 und 12 Billionen Dollar an Vermögen will offenbar mitreden, wenn Marktstandards für digitale Assets entstehen. Eigene Krypto-Produkte plant Vanguard nach eigenen Angaben derzeit nicht.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. CEO Salim Ramji kam im Juli 2024 von BlackRocks iShares-Sparte zu Vanguard. Sein Wechsel gilt als Auslöser für die Modernisierung der digitalen Strategie des Hauses.
Konkurrenten wie BlackRock, Franklin Templeton und Fidelity sind im Markt für tokenisierte Real-World-Assets längst aktiv. Allein tokenisierte US-Staatsanleihen bringen es auf rund 14,9 Milliarden Dollar Marktvolumen. Der gesamte RWA-Sektor summiert sich auf etwa 33,5 Milliarden Dollar. Vanguard holt hier spät auf.
ETF-Kurs nahe Rekordhoch
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD, thesaurierend) schloss am Mittwoch bei 164,78 Euro. Der Kurs liegt nur 1,39 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 167,10 Euro vom 22. Juni 2026. Zum 52-Wochen-Tief bei 131,34 Euro vom 11. Juli 2025 beträgt der Abstand 25,46 Prozent.
Auf Jahressicht steht der Fonds mit 25,44 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn mit 12,88 Prozent. Die vergangenen 30 Tage brachten ein Plus von 2,48 Prozent, die letzte Woche bewegte sich mit 0,04 Prozent kaum. Der 14-Tage-RSI liegt bei 54,1 — ein neutraler Wert ohne klare Überhitzung oder Schwäche.
Der Fonds notiert 9,78 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 150,10 Euro. Das deutet auf einen intakten längerfristigen Aufwärtstrend hin, auch wenn die kurzfristige Dynamik zuletzt nachließ.
Die neue Personalie bei Vanguard berührt die globalen Aktienbestände des ETF nicht direkt. Sie zeigt aber, wohin sich die Fondsbranche insgesamt bewegt: Tokenisierung und blockchain-basierte Abwicklung gelten zunehmend als Werkzeug, um Kosten zu senken und Prozesse zu beschleunigen. Ob und wann Vanguard daraus eigene Produkte für Privatanleger ableitet, bleibt bislang offen.
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