Die Schmerzgrenze ist erreicht. Bei XRP werfen Anleger massenhaft das Handtuch und realisieren Verluste im höchsten Tempo seit dem Krypto-Crash 2022. Parallel dazu ziehen sich spekulative Händler fluchtartig aus dem Markt zurück. Die psychologisch wichtige Marke von einem US-Dollar wackelt gewaltig.

Aktuell notiert der Token bei rund 1,05 US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat XRP damit gut 44 Prozent an Wert verloren. Das 52-Wochen-Tief bei 1,01 US-Dollar rückt gefährlich nahe.

Die On-Chain-Daten zeigen tiefe Risse in der Marktstruktur. Das Verhältnis von realisierten Gewinnen zu Verlusten fiel auf 0,33. Das ist der schwächste Wert seit August 2022. Konkret bedeutet das: Auf eine Einheit Gewinn kommen drei Einheiten Verlust.

Diese Entwicklung deutet auf eine klassische Kapitulationsphase hin. Langfristige Halter verkaufen ihre Bestände nach dem monatelangen Abwärtstrend mit Verlust. Das säubert zwar den Markt von schwachen Händen. Die Folge: massiver Verkaufsdruck bei jedem kleinen Erholungsversuch.

Hebel fliegen aus dem Markt

Der Verkaufsdruck beschleunigte sich Mitte der Woche. Ein kurzer Anstieg in Richtung 1,07 US-Dollar löste Zwangsliquidierungen von Long-Positionen im Wert von neun Millionen Dollar aus. Das war der größte Tagesverlust für bullische Hebel-Trader seit Anfang Februar.

Besonders hart traf es Nutzer der Börse Binance. Dort fiel das offene Interesse auf 205 Millionen US-Dollar. Über alle Handelsplätze hinweg sank das Volumen der offenen Kontrakte auf 2,34 Milliarden US-Dollar.

Der Rückzug der Spekulanten hat zwei Seiten. Einerseits sinkt die Gefahr weiterer kaskadenartiger Liquidierungen. Andererseits fehlt dem Markt schlicht das Kapital für eine schnelle Gegenbewegung.

Breiter Krypto-Markt schwächelt

Die Talfahrt von XRP passiert nicht im luftleeren Raum. Der gesamte Sektor für digitale Vermögenswerte steht unter Druck. Bitcoin fiel zeitweise auf rund 58.100 US-Dollar zurück. Das markiert den tiefsten Stand seit September 2024.

Die Marktbreite schwindet zusehends. Von 85 erfassten Krypto-Assets verzeichneten im Juni fast neun von zehn Werten Verluste. Die durchschnittliche Einbuße lag bei 8,6 Prozent.

Diese allgemeine Schwäche verhindert eine einfache Kapitalrotation. Trader schichten ihr Geld aktuell nicht in zurückgebliebene Altcoins wie XRP um. Sie reduzieren stattdessen ihr Gesamtrisiko.

Die technische Lage bleibt extrem angespannt. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von knapp 32 einen stark überverkauften Zustand. Solange jedoch die Nachfrage am Kassamarkt fehlt und Anleger weiter Verluste realisieren, bleibt die Marke von einem US-Dollar die letzte Verteidigungslinie vor einem tieferen Absturz.