Große Wallets füllen ihre XRP-Bestände auf. Ripple sichert sich eine neue Zulassung in Europa. Trotzdem bewegt sich der Kurs kaum von der Stelle — das ist die eigentliche Geschichte hinter XRP im Juli.

Der Token notiert aktuell bei 1,10 US-Dollar, nach einem Plus von rund einem Prozent am Freitag. Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 1,26 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Minus von 3,28 Prozent. Der Blick aufs Jahr zeigt das eigentliche Ausmaß der Schwäche: XRP liegt seit Jahresbeginn 41,38 Prozent im Minus, verglichen mit dem Vorjahr sogar 54,27 Prozent.

Ripple holt sich Lizenz in Luxemburg

Am 6. Juli erhielt Ripple die volle regulatorische Zulassung in Luxemburg. Das Unternehmen kann damit grenzüberschreitende Zahlungen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum abwickeln. Ripple baut seine regulatorische Präsenz damit weiter aus — ein Muster aus institutionellem Fortschritt, das sich bislang allerdings nicht in nachhaltigen Kursgewinnen niederschlägt.

Wale kaufen, Kleinanleger zögern

Die Handelsdaten der vergangenen Wochen zeigen eine klare Kluft zwischen großen und kleinen Haltern. Am 2. Juli um 03:27 Uhr UTC durchbrach XRP die Marke von 1,0560 Dollar, begleitet von einem Handelsvolumen, das 1.433 Prozent über dem stündlichen Durchschnitt lag. Seitdem baut der Kurs oberhalb der 1,00-Dollar-Marke höhere Tiefs auf, mit 1,0318 und 1,0410 Dollar als Basis der jüngsten Erholung.

Trotz dieser Bewegung hinkt XRP dem breiteren Kryptomarkt hinterher. Der Vorstoß bleibt also verhalten, obwohl Netzwerkaktivität und Walbewegungen stärker ausfielen als zuletzt.

Die technischen Indikatoren untermauern das Bild eines Marktes ohne klare Richtung. XRP notiert unterhalb aller wichtigen gleitenden Durchschnitte: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,17 Dollar, der 100-Tage-Durchschnitt bei 1,28 Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,46 Dollar. Der RSI bewegt sich bei 45,4 — ein neutraler Wert, der weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale liefert.

Deutlicher wird das Bild bei den Exchange-Abflüssen. Am 22. Juni lagen sie bei rund 40,7 Millionen XRP, mittlerweile sind sie auf etwa 123 Millionen XRP gestiegen — ein Plus von rund 200 Prozent. Käufer ziehen offenbar gezielt Angebot von den Börsen ab.

ETF-Zuflüsse laufen, kühlen aber ab

Die Netzwerkaktivität zieht parallel an. Die Zahl der täglich aktiven Adressen kletterte zwischen dem 14. und 27. Juni von 23.000 auf fast 39.500. Dieser Anstieg fällt zusammen mit anhaltender Nachfrage über börsengehandelte Produkte: Die XRP-ETFs verzeichnen seit acht Wochen in Folge positive Zuflüsse, in der Woche zum 26. Juni kamen 22,99 Millionen Dollar hinzu. Die kumulierten Nettozuflüsse seit Start liegen bei etwa 1,48 Milliarden Dollar.

Die Spot-ETFs sind damit das einzige bullische Signal, das tatsächlich echte Nachfrage nach dem Token selbst erzeugt. Allerdings kühlte diese Nachfrage zuletzt ab: Am 30. Juni verzeichneten die Fonds erstmals seit Wochen einen Nettoabfluss — just zum Ende des zweiten Quartals.

Die entscheidenden Marken

Händler konzentrieren sich derzeit auf eine enge Spanne aus Widerstand und Unterstützung:

  • 1,0560 bis 1,0590 Dollar: Die unmittelbare Ausbruchszone, die Bullen verteidigen müssen
  • 1,0665 Dollar: Erster Widerstand, der den jüngsten Vorstoß bereits gedeckelt hat
  • 1,10 bis 1,11 Dollar: Die entscheidende Testzone, in der auch der 20-Tage-EMA verläuft
  • 1,04 Dollar: Fällt diese Marke, rückt die 1,00-Dollar-Unterstützung wieder in den Fokus
  • 1,01 Dollar: Das 52-Wochen-Tief vom 26. Juni, aktuell nur 8,70 Prozent entfernt

Eine Rückeroberung der 1,10-Dollar-Marke würde den Blick auf 1,20 Dollar lenken. Bislang schafft es XRP trotz steigender Netzwerkaktivität, stabiler ETF-Nachfrage und der neuen europäischen Zulassung nicht, die mehrwöchige Konsolidierung zu durchbrechen. Die Marke von 1,10 Dollar bleibt damit der nächste Prüfstein.