XRP sendet gerade widersprüchliche Signale. Auf der Blockchain zieht die Nutzung kräftig an, während der Token nahe seiner jüngsten Tiefs handelt. Parallel fließt weiter Kapital in XRP-Produkte — trotz eines prominenten Rückzugs aus der Wall Street.

Am Freitag registrierte der XRP Ledger 215.399 aktive Adressen. Die Schwelle von 200.000 wurde damit erstmals seit März wieder überschritten.

In den Wochen davor lag die tägliche Aktivität meist in einer Spanne von 130.000 bis 180.000 Adressen. Der jüngste Sprung zählt damit zu den stärksten Netzwerkimpulsen des Jahres. Für XRP ist das wichtig, weil On-Chain-Aktivität nicht immer sofort im Kurs ankommt, aber die tatsächliche Nutzung des Ökosystems besser abbildet als reine Marktschwankungen.

Der Preis zeigt davon bislang wenig. XRP notiert bei 1,14 US-Dollar; am Freitag stand zwar ein Tagesplus von 4,28 Prozent, auf Wochensicht bleibt aber ein Minus von 14,34 Prozent. Seit Jahresanfang summiert sich der Rückgang auf 39,25 Prozent, über zwölf Monate sogar auf 47,66 Prozent.

Institutionelle Signale bleiben gemischt

Die neuen US-Pflichtmeldungen zeichnen ein gespaltenes Bild. UBS Group, mit verwaltetem Vermögen von rund 5,7 Billionen US-Dollar, meldete 197.369 Anteile am Volatility Shares XRP ETF im Wert von etwa 1,49 Millionen US-Dollar.

Dazu kommt eine kleine Position im Grayscale XRP Fund. Auch Bank of America, Millennium Management und Citadel Advisors meldeten XRP-bezogene Engagements. Bei Bank of America beläuft sich die Position auf rund 224.000 US-Dollar.

Goldman Sachs steht auf der Gegenseite. Die Bank hatte gegen Ende vergangenen Jahres etwa 154 Millionen US-Dollar an XRP-ETF-Exposure aufgebaut und diese Positionen bis zum ersten Quartal 2026 vollständig abgebaut. Das betrifft mehrere ETF-Produkte, nicht nur einen einzelnen Fonds.

Der Markt absorbierte den Rückzug ohne sichtbaren Bruch. Die ETF-Zuflüsse blieben in der Folge positiv.

ETF-Zuflüsse stützen das Bild

In der Woche bis zum 8. Juni verzeichneten US-Spot-XRP-ETFs Nettozuflüsse von 2,62 Millionen US-Dollar. Die kumulierten Nettozuflüsse erreichten damit den Rekordwert von 1,43 Milliarden US-Dollar.

An der Spitze des Anbieterfelds liegt Bitwise mit 467 Millionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Canary Capital folgt knapp dahinter mit 458 Millionen US-Dollar. Das ist kein massiver Wochenimpuls, aber es zeigt: Der Preisrückgang hat die Produktnachfrage nicht abgewürgt.

Auch der Nutzungsfall jenseits klassischer Zahlungen gewinnt an Gewicht. Im ersten Quartal 2026 wuchs die Marktkapitalisierung tokenisierter Real-World-Assets auf dem XRP Ledger um 124,1 Prozent auf 2,25 Milliarden US-Dollar.

Ripple CTO Emeritus David Schwartz betonte zuletzt, dass der XRPL über seine Rolle als Zahlungsinfrastruktur hinauswächst. Genannt werden tokenisierte Wertpapiere, Geldmarktfonds und Kreditinstrumente. Das ist der Teil der Geschichte, den der Kurs gerade kaum honoriert.

Chart bleibt angeschlagen

Technisch bleibt die Lage schwach. Der RSI liegt bei 28,9 und damit im überverkauften Bereich. Solche Extremwerte waren in den vergangenen 13 Jahren nur viermal zu beobachten.

Der MACD bleibt negativ, während die Zone um 1,00 US-Dollar als psychologische Unterstützung gilt. Auf der Oberseite liegt der nächste relevante Widerstand bei 1,36 US-Dollar; dort verläuft auch der 50-Tage-Durchschnitt.

Kurzfristig liefert der Chart klare Marken. Ein stabiler Sprung über 1,36 US-Dollar würde das überverkaufte Setup entschärfen; ein Fall unter 1,00 US-Dollar würde den Druck dagegen neu verschärfen. Fundamentale Aktivität und ETF-Zuflüsse liefern Rückenwind, der Kurs muss ihn erst noch sichtbar machen.