XRP klebt an der Marke von einem US-Dollar. Der Token notiert bei 1,04 Dollar und kämpft seit Wochen mit genau der Zone, die 2026 als einzige verlässliche Unterstützung galt. Seit Jahresbeginn hat XRP fast 44 Prozent verloren. Die große institutionelle Kaufwelle, die den Kurs eigentlich tragen sollte, bleibt aus.
Die ETF-Story bröckelt
Als die ersten Spot-XRP-ETFs in den USA starteten, flossen im November 2025 rund 666 Millionen Dollar in die Produkte. Das weckte Erwartungen für das gesamte Jahr 2026. Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt.
Im Juli kamen an 11 von 22 Handelstagen exakt null Zuflüsse zusammen. Über den gesamten Monat sammelten die Fonds gerade einmal 27,29 Millionen Dollar ein — ein Bruchteil des Starttempos. Aktuell sind sieben Spot-XRP-ETFs in den USA gelistet, mit zusammen etwa einer Milliarde Dollar verwaltetem Vermögen und knapp 993 Millionen gehaltenen XRP-Token.
Die Konsequenz: Der Kaufdruck, der den Kurs nach Analystenmeinung über 1,20 Dollar hätte halten sollen, ist verschwunden.
Charttechnik bestätigt die Schwäche
Die Zahlen spiegeln sich im Chart. XRP notiert derzeit unter seinem 50-Tage-Durchschnitt bei 1,09 Dollar und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt bei 1,33 Dollar. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 38,5 — ein Wert, der auf anhaltenden Verkaufsdruck ohne akute Überverkauft-Situation hindeutet.
Die Wochenmomentum-Indikatoren sind auf ein Niveau gefallen, das zuletzt im Bärenmarkt 2022 zu sehen war, als XRP bei rund 0,29 Dollar notierte. Manche Marktbeobachter werten die aktuelle Phase deshalb nicht als gewöhnlichen Rücksetzer. Für sie steht die gesamte Investmentthese von 2026 auf dem Prüfstand — jene, die auf ETF-Zuflüssen, regulatorischer Klarheit und institutioneller Adoption aufbaute.
Der CLARITY Act lässt weiter auf sich warten
Ein möglicher kurzfristiger Kurstreiber ist ebenfalls weggefallen. Der US-Senat hat den CLARITY Act am 27. Juli zurückgestellt, um andere Themen vor der Sommerpause zu behandeln. Das Gesetz würde XRP dauerhaft als Rohstoff einstufen — die Abstimmung verschiebt sich nun in den Herbst.
Institutionelle Marktteilnehmer, die auf genau diese regulatorische Klarheit gewartet haben, müssen sich weiter gedulden. Der eine Katalysator, der eine Neubewertung von XRP im August hätte auslösen können, fällt damit vorerst weg.
RLUSD als möglicher Lichtblick
Abseits von ETF-Flüssen und Washington gibt es eine Entwicklung, die manche Beobachter als langfristig positiv einstufen: Ripples Stablecoin RLUSD wächst weiter auf dem XRP Ledger. Mehr RLUSD-Aktivität könnte grundsätzlich zusätzliche XRP-Nachfrage schaffen — etwa über Zahlungen, Börsentransfers oder dezentralen Handel.
Ob das tatsächlich passiert, hängt davon ab, ob Nutzer den Stablecoin aktiv bewegen und Märkte damit beleben. Bislang bleibt der Effekt auf den XRP-Kurs selbst unsichtbar.
Prognosemärkte erwarten weitere Schwäche
Handelsplattformen für Kursprognosen sehen die Chancen klar verteilt: Eine Bewegung zurück auf ein Dollar wird mit 59 Prozent Wahrscheinlichkeit gehandelt, ein Anstieg auf 1,20 Dollar nur mit 29 Prozent. Für 1,40 Dollar bleiben gerade einmal 5,9 Prozent.
Die Botschaft dahinter: Regulierter Zugang über ETFs allein reicht derzeit nicht aus, um den Kurs im August nach oben zu drehen. Bei dünnen ETF-Zuflüssen, einem in den September verschobenen CLARITY Act und einer schwachen Charttechnik hängt die nächste Richtungsentscheidung für XRP maßgeblich davon ab, ob die wachsende Stablecoin-Aktivität auf dem XRP Ledger sich irgendwann in echter Kaufkraft für den Token niederschlägt.
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