Während Entwickler an der XRP Ledger heute ein umfangreiches Software-Upgrade freigeschaltet haben, kommt der Kurs der Kryptowährung nicht aus der Defensive. XRP fällt an diesem Freitag um 3,19 Prozent und rutscht damit näher an sein Jahrestief heran. Technischer Fortschritt und Preisschwäche laufen derzeit deutlich auseinander.

Neue Privatsphäre-Funktion und generalüberholte Sicherheitsarchitektur

Die XRP Ledger hat heute die Version 3.3.0 veröffentlicht. Im Zentrum steht Confidential Transfer, die erste native Privatsphäre-Funktion des Netzwerks: Sie verschlüsselt Salden bei sogenannten Multi-Purpose-Tokens. Daneben bringt das Update die Amendments Batch, mit dem sich bis zu acht Transaktionen atomar zusammenfassen lassen, sowie Permission Delegation, Sponsor, Dynamic MPT und fixCleanup. Frühere Versionen von Batch und Permission Delegation waren zuvor wegen Sicherheitsproblemen gestoppt worden.

Die Entwickler versprechen zudem handfeste technische Vorteile: Der Speicherbedarf sinkt um 10 bis 15 Prozent, ein umfassendes Sicherheitsaudit hat zwei kritische, sechs hohe, 29 mittlere und 59 niedrige Schwachstellen aufgedeckt und behoben. Für das dazugehörige Bug-Bounty-Programm stellte Ripple 309.000 RLUSD bereit. Damit die Neuerungen tatsächlich aktiv werden, benötigen sie allerdings die Zustimmung von 80 Prozent der Validatoren über einen Zeitraum von zwei Wochen – der eigentliche Startschuss steht also noch aus.

Kurs nähert sich dem Jahrestief

Von der technischen Aufwertung lässt sich der Markt bislang nicht beeindrucken. XRP notiert bei 1,03 US-Dollar und damit nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 1,01 US-Dollar, das erst Ende Juni markiert wurde. Der Relative-Stärke-Index steht bei 36,1 und signalisiert damit eine überverkaufte Marktlage, ohne dass bislang eine nachhaltige Gegenbewegung einsetzt. Seit dem Rekordhoch von 3,38 US-Dollar im vergangenen August hat die Kryptowährung mehr als zwei Drittel ihres Werts verloren.

Diese Schwäche speist sich aus mehreren Quellen zugleich. Der Analysedienst CryptoQuant verweist auf einen sogenannten Death Cross in den gleitenden Durchschnitten und beziffert den realisierten Preis der Anleger auf rund 0,75 US-Dollar gegenüber einem Marktkurs von etwa 1,10 US-Dollar – ein Warnsignal für Gewinnmitnahmen, sollte sich der Kurs weiter erholen.

ETF-Anleger ziehen sich zurück, Wal-Adressen kaufen zu

Ein besonders auffälliges Muster zeigt sich bei institutionellen Anlegern. Die wöchentlichen Zuflüsse in XRP-Fonds sind um 93 Prozent eingebrochen, von 14,86 Millionen auf nur noch 1,01 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Bitcoin-ETFs verzeichneten im selben Zeitraum Zuflüsse von 754,69 Millionen US-Dollar, Ethereum-Fonds kamen auf 195,34 Millionen US-Dollar. Der Bitwise-XRP-Fonds musste am Mittwoch einen Abfluss von 3,58 Millionen US-Dollar hinnehmen, bevor am Donnerstag wieder 3,45 Millionen US-Dollar zuflossen, größtenteils über Bitwise und Franklin Templeton.

Auf der Blockchain zeichnet sich dagegen ein gegenläufiges Bild ab. Adressen mit Beständen zwischen 10 und 100 Millionen XRP haben seit Jahresbeginn 1,23 Milliarden Token hinzugekauft, ihre Gesamtbestände stiegen von 10,97 auf 12,2 Milliarden XRP – trotz eines Kursrückgangs von rund 43 Prozent im laufenden Jahr. Die Zahl dieser Wal-Adressen wuchs von 301 auf 313. Die größten Adressen mit mehr als 100 Millionen XRP reduzierten ihre Bestände hingegen um 300 Millionen Token. Parallel dazu meldet das Kreditprotokoll Flare für seinen FXRP/RLUSD-Markt eine hohe Nachfrage: Innerhalb weniger Stunden wurden dort eine Million RLUSD ausgeliehen, das anfängliche Angebot war komplett ausgeschöpft, sodass die Obergrenze auf rund neun Millionen RLUSD angehoben wurde.

Regulatorischer Fahrplan verschiebt sich erneut

Zusätzlichen Gegenwind liefert die Politik in Washington. Der US-Senat hat die Abstimmung über den Digital Asset Market Clarity Act auf September verschoben. Mehrheitsführer Thune kündigte an, das Vorhaben nach der Rückkehr der Kammer am 14. September vorrangig zu behandeln. Grund für die Verzögerung ist ein Streit zwischen den Parteien: Demokraten verlangen vor einer Abstimmung Ethik-Regeln im Zusammenhang mit Präsident Trump, während das Gesetz für seine Verabschiedung 60 Stimmen benötigt – eine Mehrheit, die derzeit als unsicher gilt. Für XRP, dessen regulatorische Einordnung in den USA seit Jahren im Fokus der Branche steht, bedeutet dies: Der erhoffte gesetzliche Rahmen für digitale Vermögenswerte lässt weiter auf sich warten, während sich Kursverlauf und Netzwerk-Entwicklung zunehmend unabhängig voneinander bewegen.