Fast 40 Prozent im Minus seit Jahresbeginn — und dennoch baut XRP gerade eine bemerkenswerte Infrastruktur auf. Der Widerspruch zwischen fundamentaler Entwicklung und Kursentwicklung ist selten so deutlich wie aktuell.

XRPL dominiert bei tokenisierten Sachwerten

Das XRP Ledger hat sich in den vergangenen drei Monaten als führende Plattform für die Tokenisierung realer Vermögenswerte etabliert. Mit 1,9 Milliarden Dollar an Netto-Zuflüssen in diesem Segment überholte XRPL sowohl Ethereum mit 1,6 Milliarden als auch Stellar mit 1,4 Milliarden Dollar. Der Gesamtwert tokenisierter Assets auf dem Ledger liegt bei 3,66 Milliarden Dollar, verteilt auf 302 verschiedene Vermögenswerte. Im ersten Quartal 2026 wuchs die RWA-Marktkapitalisierung auf XRPL um 124 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Das ist kein Nischenwachstum. Es zeigt, dass institutionelle Emittenten das Ledger aktiv für reale Finanzprodukte nutzen.

RLUSD wächst — von Afrika bis Indonesien

Ripples Dollar-Stablecoin RLUSD erreichte Anfang Juni eine Marktkapitalisierung von rund 1,65 Milliarden Dollar. Das macht ihn zum achtgrößten Stablecoin weltweit. Am 3. Juni integrierte Mastercard RLUSD in sein Rund-um-die-Uhr-Abwicklungsnetzwerk.

Parallel dazu investierte Ripple in Flutterwave, Afrikas größtes Zahlungsunternehmen. Die Series-E-Runde bewertete Flutterwave mit 3,2 Milliarden Dollar. Ziel ist es, RLUSD und das XRP Ledger in Flutterwaves Infrastruktur in 35 afrikanischen Ländern zu verankern. Hinzu kommt eine Listung auf der indonesischen Plattform FLOQ mit 1,8 Millionen Nutzern.

Software-Update bringt Bugs statt Entlastung

Weniger erfreulich: Das am 15. Juni veröffentlichte Core-Software-Update xrpld 3.2.0 kämpft mit mehreren technischen Problemen. Entwickler meldeten ab dem 18. Juni Fehler bei der Node-Synchronisierung, Abstürze durch fehlerhafte Konfigurationsparser sowie Lücken in der Transaktionsweiterleitung und der Gebührenlogik. Auch Risiken durch Integer-Überläufe bei der Ledger-Validierung wurden identifiziert.

Bisher haben nur 26 Prozent der Netzwerk-Nodes das Update installiert. Netzwerkweite Ausfälle blieben aus — die Entwickler arbeiten öffentlich an Korrekturen.

Institutionelle Signale gehen in verschiedene Richtungen

Der Kurs steht bei 1,15 Dollar, rund 69 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar. Der RSI liegt bei 40 — noch kein technisch überkauftes Niveau, aber nah an der Grenze zum überverkauften Bereich.

US-Spot-ETFs auf XRP verzeichneten seit ihrem Start im November 2025 kumulative Zuflüsse von 1,44 Milliarden Dollar. Allein in den Franklin XRP ETF flossen am 17. Juni 5,3 Millionen Dollar. Allerdings zog Goldman Sachs im ersten Quartal 2026 seine gesamte Position von 154 Millionen Dollar aus diesen ETFs ab.

On-Chain-Daten zeigen: Wallets mit mindestens einer Million XRP kontrollieren 74 Prozent des umlaufenden Angebots. Zwischen dem 13. und 17. Juni reduzierten diese Großhalter ihre Bestände um mehr als 30 Millionen Token — ein Faktor, der den jüngsten Preisrückgang miterklärt.

Regulatorische Weichenstellung steht bevor

Der CLARITY Act, der XRP dauerhaft als digitale Ware klassifizieren würde, passierte im Mai den Bankenausschuss des Senats mit 15 zu 9 Stimmen. Seit dem 1. Juni steht er auf dem Legislativkalender des Senats. Das Weiße Haus peilt eine Unterzeichnung bis zum 4. Juli an. Eine Abstimmung im Plenum könnte jederzeit erfolgen — und wäre der bisher klarste regulatorische Rückenwind für XRP in den USA.