XRP notiert am Sonntag bei 1,52 US-Dollar und legt im Tagesverlauf um 4,3 Prozent zu. Damit setzt die Kryptowährung eine bemerkenswerte Erholung fort: Innerhalb von sieben Tagen hat sich der Kurs um 52 Prozent verteuert. Treiber der Rally sind sowohl politische Entwicklungen in Washington als auch neue institutionelle Aktivitäten rund um Ripple.
Garlinghouse sieht USA „näher denn je“ an klaren Krypto-Regeln
Ripple-CEO Brad Garlinghouse erklärte am Samstag, die USA seien „näher denn je“ an einer klaren Krypto-Regulierung. Anlass war die erste Sitzung des CFTC Innovation Advisory Committee am 20. August, an der Garlinghouse teilnahm. Der Ripple-Chef verwies zudem auf eine gemeinsame Klarstellung von SEC und CFTC im März, die fünf Token-Kategorien etablierte.
Im Zentrum der Erwartungen steht der CLARITY Act. Der Senat hat für den 15. September eine Cloture-Abstimmung angesetzt, für die 60 Stimmen nötig sind – die Republikaner verfügen derzeit über 53 Sitze.
Auch Coinbase-CEO Brian Armstrong warb öffentlich für das Gesetz und argumentierte, es schütze Verbraucher und begrenze regulatorische Überreichweite. Sollte die Abstimmung scheitern, könnten SEC und CFTC alternativ eigene Regeln zum 16. September vorlegen.
Garlinghouse machte zugleich deutlich, welchen Preis der jahrelange Rechtsstreit mit der SEC gekostet hat: Ripple habe rund 150 Millionen US-Dollar an Anwaltskosten aufgewendet, 80 Prozent der Neueinstellungen während des Verfahrens fanden außerhalb der USA statt. Ein Bundesrichter hatte zuvor entschieden, dass XRP selbst keine Wertpapier-Eigenschaft besitzt.
Ripple stärkt Bilanz mit neuer Kreditlinie
Parallel zur politischen Debatte baut Ripple seine Finanzstruktur aus. Die Tochter Ripple Prime schloss Mitte August eine 275-Millionen-Dollar-Anleihe (senior unsecured notes) ab, Piper Sandler fungierte als Lead Agent.
Die Ratingagentur KBRA vergab ein BBB-Rating, das sich jedoch auf die erwartete Unterstützung durch die Muttergesellschaft stützt – nicht auf XRP als Sicherheit. Zum 30. Juni hielt Ripple rund 37,66 Milliarden XRP, davon liegen 32,6 Milliarden in Escrow-Konten.
Auch bei institutionellen Anlegern zeigt sich Bewegung: Laut dem jüngsten 13F-Bericht von Morgan Stanley zum zweiten Quartal hat die Bank ihre XRP-ETF-Positionen umgeschichtet, unter anderem in Anteile von Franklin, REX-Osprey und Bitwise. Zudem hält Morgan Stanley Aktien der SPAC AACI, die eine XRP-Treasury-Strategie verfolgt – bei einem Gesamtbuch von 1,89 Billionen Dollar allerdings eine Randposition.
Technisches Bild: Überhitzt, aber mit Aufwärtsmomentum
Die jüngste Rally hat XRP technisch in überkaufte Zonen getrieben: Der 14-Tage-RSI liegt bei 86,6, ein Wert, der üblicherweise auf eine Korrekturgefahr hindeutet. Gleichzeitig notiert die Kryptowährung 39 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,09 US-Dollar – ein Zeichen für die Wucht der jüngsten Bewegung.
Analysten sehen im Bereich von 1,65 bis 1,70 Dollar einen wichtigen Widerstand; ein Ausbruch darüber könnte laut Markteinschätzungen Kursziele von 1,80 bis 2,00 Dollar eröffnen.
Trotz der kräftigen Erholung bleibt XRP von seinem 52-Wochen-Hoch bei 3,18 US-Dollar aus dem vergangenen September weit entfernt. Die kommenden Wochen dürften entscheidend werden: Mit der Senatsabstimmung am 15. September steht ein Termin fest, der sowohl regulatorische Klarheit als auch neue Kursimpulse bringen könnte.
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