XRP hat am Dienstag eine zentrale technische Marke gerissen. Die Kryptowährung durchbrach die Unterstützung bei 1,054 Dollar und rutschte im Tagesverlauf um 5,57 Prozent auf 1,05 Dollar ab. Damit notiert das Papier rund 68,84 Prozent unter seinem Rekordhoch von 3,37 Dollar, das im August vergangenen Jahres erreicht wurde.

Der Ausverkauf traf nicht nur XRP: Bitcoin fiel auf rund 63.000 Dollar, Ethereum und Solana gaben ebenfalls deutlich nach. Auslöser war laut CoinDesk unter anderem der Einbruch des südkoreanischen Kospi-Index um rund zehn Prozent, nachdem Berichte über neue chinesische Lithografie-Maschinen die Aktien von Chipherstellern belasteten. Hinzu kommt die Unsicherheit vor der Fed-Zinsentscheidung, die für Mittwoch erwartet wird. Analysten von FXStreet verweisen zudem auf ein negatives Finanzierungsniveau bei XRP-Derivaten und ein Long-Short-Verhältnis von 0,83, was auf eine vorsichtige Positionierung der Händler hindeutet.

Wale schichten in Richtung Börsen um

Parallel zum Kursrutsch registrierten Marktbeobachter laut TradingKey Transfers von 150 Millionen XRP an Kryptobörsen – ein Signal, das üblicherweise auf erhöhten Verkaufsdruck hindeutet. Gleichzeitig blieben die Zuflüsse in US-Spot-ETFs auf XRP mager: Ein Beitrag von 592.470 Dollar durch Franklin Templeton beendete zwar eine dreitägige Nullflussphase, konnte den Abwärtsdruck aber nicht kompensieren. Nach Angaben eines koreanischen Berichts summieren sich die kumulierten Zuflüsse in die sieben XRP-ETFs zwar auf über eine Milliarde Dollar, doch frühe Investoren, die zwischen 1,87 und 2,41 Dollar eingestiegen waren, sitzen bei aktuellem Kursniveau auf erheblichen Buchverlusten.

Trotz der schwachen Kursentwicklung meldet die Analysefirma Santiment ein bemerkenswertes Stimmungsbild: Die gewichtete Marktstimmung für XRP fiel auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2025. Historisch ging derartiger Pessimismus laut Santiment häufig kräftigen Erholungsbewegungen voraus – ein Kontrapunkt zur aktuellen Kursschwäche, den Anleger im Blick behalten dürften.

CLARITY Act steckt im Senat fest

Zusätzlichen Druck erzeugt die politische Bühne in Washington. Der US-Senat verschob die Abstimmung über den CLARITY Act, das zentrale Regulierungsgesetz für digitale Vermögenswerte, zugunsten von Personalnominierungen und eines Russland-Sanktionsgesetzes. Senatsmehrheitsführer John Thune hatte eine Abstimmung vor der Sommerpause am 7. August in Aussicht gestellt, doch strittige Ethikklauseln blockieren weiterhin die nötigen 60 Stimmen. Sieben moderate demokratische Senatoren bemängeln unzureichenden Verbraucherschutz und fehlende unabhängige Aufsicht im derzeit 616 Seiten starken Entwurf.

Die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung in diesem Jahr sank auf der Prognoseplattform Polymarket zuletzt auf 37 Prozent, nachdem sie zuvor zwischen 60 und 75 Prozent gelegen hatte. Galaxy Research senkte seine Einschätzung sogar auf 30 Prozent. Das Gesetz würde die Aufsicht über digitale Vermögenswerte zwischen SEC und CFTC aufteilen, wobei XRP voraussichtlich unter die Zuständigkeit der Warenterminbehörde CFTC fallen würde – ein für die Kryptowährung potenziell vorteilhaftes Detail, dessen Umsetzung nun aber weiter auf sich warten lässt.

Analysten uneinig über die nächste Bewegung

Die technische Lage bleibt angespannt. Der Relative-Stärke-Index von XRP liegt bei 39,0 und signalisiert damit noch keine klare Überverkauft-Situation, während der Kurs mittlerweile deutlich unter allen relevanten gleitenden Durchschnitten notiert. Der Analyst CasiTrades erwartet einen weiteren Rückgang in Richtung 1,00 Dollar und mittelfristig sogar 0,87 Dollar. Andere Marktbeobachter wie CryptoOnchain verweisen dagegen auf eine enge Handelsspanne zwischen 1,09 und 1,14 Dollar mit ausgeglichenen Liquidationen und schwacher Spot-Aktivität, was eher für eine Konsolidierung vor einem größeren Ausbruch sprechen könnte. Welche Richtung sich durchsetzt, dürfte maßgeblich von der Fed-Entscheidung am Mittwoch und dem weiteren Schicksal des CLARITY Act abhängen.